Werbinich : Spätestens beim Abi erwischt es die meisten

Heinrich Sander[15 Jahre]

Mache ich mir eigentlich Stress? Hmm… überlegen wir mal. Ich besuche die 9. Klasse eines Gymnasiums, gehe an vier Tagen der Woche zum Fußball, spiele Klavier und mache ab und zu einen Nebenjob. Klingt eigentlich nach ziemlich viel Stress. Wenn ich nicht langsam einen Gang zurückschalte, burne ich wahrscheinlich irgendwann noch out. Ich sollte ernsthaft über eine ärztliche Behandlung nachdenken.

Aber Moment, habe ich denn überhaupt so viel Stress?

Nö, nicht wirklich. Meine Aufzählung klingt zwar stressig, ist sie aber für mich nicht, weil ich lieber mal was weglasse, als mich zu überanstrengen. Außerdem gehe ich ja erst in die 9. Klasse. Im Gegensatz zu mir haben die Abiturienten, die ich kenne, ziemlich viel Stress. Immer wieder sehe ich Abi-Zombies, die durch die Gegend schlurfen und so aussehen, als wären zwei bis drei Tage Schlaf nicht schlecht. In einigen ist das Feuer schon erloschen. Sie sind ausgebrannt oder, um es als Krankheit zu bezeichnen, sie haben das

Burn-out-Syndrom. Das ist ein körperlicher, emotionaler oder geistiger Erschöpfungszustand aufgrund von Überbelastung. Man hat so viel Stress, dass man es nicht mehr schafft, ihn zu bewältigen. Dieses Syndrom wurde in Deutschland als typische Managerkrankheit bekannt, ist mittlerweile aber auch bei den Schülern angekommen. Immer mehr Jugendliche halten dem Leistungsdruck im schulischen und privaten Bereich nicht mehr stand – nicht nur ältere, sondern auch jüngere. Bei denen sind die Ursachen meistens im privaten Bereich zu suchen, da diese Kinder sich entweder selbst zu viel Druck machen oder ihn von ihren ehrgeizigen Eltern bekommen.

Wenn ich mir die Abiturienten so angucke, stellt sich für mich die Frage, ob ich entweder ein Einser-Abi machen will und dafür bis an meine Grenzen gehen werde, oder einen weniger guten Abschluss, bei dem ich mehr entspannen kann. Ich wäre mit einem schlechten Abi nicht zufrieden – zum Studieren braucht man nun mal einen guten Abschluss. Das riecht nach Stress …

Heinrich Sander, 15 Jahre

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben