Werbinich : Stress-mess

Friederike Sander[18 Jahre]

Ich schreibe gerade diesen Artikel. Aber eigentlich ist diese Aussage so reduziert, dass sie beinahe unwahr ist. Genau genommen höre ich Musik, tippe auf der Leertaste herum, schau mir Videos auf Youtube an und schreibe mit Freunden mittels sozialer Netzwerke. Der eine hat ein Problem mit den Hausaufgaben, die andere eins mit ihrem Freund und der Dritte hat gar kein Problem, erzählt mir aber irgendetwas über einen Hund. Ich komme dann auf die Idee, mir meine Hausaufgaben mal anzugucken. Vernünftige Sache, wenn man dabei ist, sein Abitur zu machen.

Weil Hausaufgaben sowieso blöd sind, kann ich nebenher noch ein bisschen was Sinnvolles tun und Fragebögen für meine Führerscheintheorieprüfung beantworten. Das Youtube-Video ist zu Ende, da muss man mal ein neues anmachen. Ein Kumpel schreibt mich an: Ob wir uns mal treffen könnten. Natürlich und gerne. Am besten so ungefähr am Wochenende in der Nähe vom Mauerpark. Alles andere kann man später klären,

wir sind ja eine spontane, entspannte und mobile Jugend.

Ab der Frage, ob auch geringe Mengen Alkohol die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können, habe ich keine Lust mehr aufs Theorielernen. Ich setzte mein Kreuzchen bei „Nein, wenn man Kaffee und Bier gleichzeitig trinkt.“

Jetzt sollte ich mich mal auf diesen Artikel konzentrieren, das sag ich auch dem Hunde-

Kumpel. „Mach mal keinen Stress-mess“ schreibt er etwas unwirsch zurück. Scheint ihm wichtig zu sein, der Hund. Ich beschließe, mich vom sozialen Netzwerk abzumelden. Das dauert! Am Ende ist es halb eins, die Hausaufgaben werden auf die Freistunde verschoben und ich bin so müde, dass ich über meiner Schullektüre einschlafe – ich arme, gestresste Abiturientin! Friederike Sander, 18 Jahre

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