Tom Schilling : Major Tom

Tom Schilling, 26, hat einen neuen Film in den Kinos und ist seit zwei Jahren Vater - er ist angekommen.

Ric Graf
Schilling
Der Durchdachte. Der Schauspieler Tom Schilling ist Familienvater und im Job viel unterwegs. -Foto: Rückeis

Als er 18 war, stand er schon sechs Jahre auf der Bühne, und dennoch änderte sich vieles: Tom Schilling wurde mit einem Mal berühmt und erlebte den Wahnsinn. Er hatte viele weibliche Fans, kam plötzlich auf jede Party und wurde überall erkannt: Er spielte in dem Generationenfilm „Crazy“ neben Robert Stadlober die Hauptrolle. „Die Zeit war wild“, sagt Tom heute.

Schauspieler wollte er eigentlich nie werden. „Das war purer Zufall.“ Mit zwölf wurde Tom auf dem Schulhof der John-Lennon-Oberschule in Mitte entdeckt – für seine erste Rolle auf der Bühne des Berliner Ensembles. „Und dann ging es Stück für Stück weiter, ich spielte, und für mich war das Ganze mein Hobby.“ Sogar als er mit „Crazy“ bundesweite Bekanntheit erlangte, hatte er immer noch seinen eigentlichen Traum im Hinterkopf: Er wollte Maler werden.

Doch die Angebote kamen: Er drehte dann unter anderem den Geschichtsfilm „Napola“ – mit dem Erfolgsregisseur Dennis Gansel („Die Welle“).

„Ich habe mit mir gekämpft und meinen ursprünglichen Plan aufgegeben. Und jetzt sehe ich in meinem Job auch meinen Traum.“

Tom ist sehr sensibel, spricht mit knabenhafter Stimme und wirkt auch sonst mit seinem schmalen Körper viel jünger. Er trägt nur Anzüge, liebt Nick Cave und Indie-Musik, spielt selbst Klavier und schreibt Songs: „Nur, ich will sie nie veröffentlichen, weil ich es nicht bis zum Schluss verfolge.“ Und genau das verdiene Kunst, sagt er mit einem Lächeln.

Tom führt ein intensives Leben: Er liebt lange Nächte, Konzerte, die Literatur, Bars und Clubs. Und natürlich Filme.

Seit gestern läuft sein neuer Film im Kino: „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“. Er spielt einen Game-Designer, der sich in eine ältere Frau verliebt und nicht mit und vor allem nicht ohne sie sein kann. An dieser Arbeit interessierte ihn weniger der Stoff: „Für mich ist die Liebe zwischen einem jungen Mann und einer älteren Frau nichts Besonderes. Mich interessierte die Arbeit mit dem Regisseur Leander Haußmann.“ Die beiden kennen sich seit Jahren, und erst jetzt kam es zu einer Zusammenarbeit, die er sehr genoss.

Tom lebt seit Jahren in einer festen Beziehung und hat über diese Liebe eines begriffen: „Als ich zum ersten Mal liebte, verstand ich, wie schwer es ist, sich fallen zu lassen und seine Abgründe offenbaren zu können. Das ist eben viel mehr, als nur eine schöne Zeit zu verbringen.“

Seit Oktober 2006 ist Tom Vater eines Sohnes. Und mit 26 Jahren verändert das ein Leben schlagartig: „Wir müssen natürlich verzichten, aber mein Leben ist reichhaltiger geworden.“ Tom ist viele Monate im Jahr unterwegs, und wenn er hier ist, verbringt er jede freie Minute mit seiner Freundin und seinem Sohn. „Frühstück und Abendessen, Familienausflüge – so ausgewogen war mein Leben noch nie“, sagt er lächelnd.

Tom war ein Suchender, kam selten zur Ruhe. Aber genau das hat sich verändert: „Ich habe ein ausgefülltes Leben, das klingt banal, aber ich denke nicht mehr die ganze Zeit über meine Sehnsüchte nach. Ich lebe einfach.“

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