• Trotz Kürzungen: Gründerzeit bei den freien Schulen Die privaten Träger suchen die Öffentlichkeit und kämpfen weiter gegen sinkende staatlicheZuschüsse

Werbinich : Trotz Kürzungen: Gründerzeit bei den freien Schulen Die privaten Träger suchen die Öffentlichkeit und kämpfen weiter gegen sinkende staatlicheZuschüsse

Susanne Vieth-Entus

Die freien Schulen lassen sich nicht unterkriegen. Trotz Millionenkürzungen bei den staatlichen Zuschüssen in den vergangenen Jahren expandieren sie und präsentieren sich zum zweiten Mal selbstbewusst am 19. September mit einem „Tag der Freien Schulen“. Außerdem gibt es rund um diesen Termin Dutzende von Veranstaltungen.

Im Mittelpunkt steht dieses Jahr das Motto „Mit uns können sie rechnen“. Und zwar im dreifachen Sinne: Erstens drehen sich etliche Veranstaltungen um die Verbesserung des Mathematikunterichts. Zweitens wollen die Schulen zeigen, dass sie wesentlich preiswerter sind als staatliche Schulen und deshalb weitere Kürzungen nicht akzeptieren wollen. Drittens soll demonstriert werden, dass die „Freien“ ihren Platz in der Berliner Schullandschaft behaupten und ausbauen wollen.

Wie gut ihnen das gelingt, zeigt ein Blick in die Schulstatistik. Während seit 1998 die Gesamtzahl der Berliner Schüler um 40 000 sank, konnten die freien Schulen 2300 Schüler hinzugewinnen. Sie vergrößerten vorhandene Standorte, gründeten Filialen oder sogar ganz neue Schulen, obwohl Neugründungen jahrelang keine öffentlichen Zuschüsse erhalten.

Vor allem in den östlichen Bezirken gibt es eine immense Bereitschaft, sich in das Abenteuer einer eigenen Schule zu stürzen. Aber auch im West-Teil kam erst kürzlich mit der Wilmersdorfer Waldorf-Schule eine neue freie Schule hinzu.

Diese „Gründerzeit“ ist umso erstaunlicher, als es mit den staatlichen Zuschüssen seit Jahren bergab geht. Ursprünglich zahlte das Land den Privatschulen 105 Prozent der Personalkosten, wozu nicht nur die Ausgaben für die Pädagogen, sondern auch für Reinigungskräfte zählten. Das „Streichkonzert“ begann 1995 mit dem Wegfall der Vertretungspauschale für kranke Lehrer, womit der Zuschuss von 105 auf 100 Prozent der Personalkosten sank. 1998 ging er auf 97 Prozent runter, in diesem Jahr ist man bei 93 Prozent angekommen. Zwischendurch wurden noch die Reinigungskosten aus dem Zuschuss herausgestrichen. In diesem Jahr ging es nochmals bergab mit den staatlichen Geldern, als die Lehrerarbeitszeit heraufgesetzt wurde: Während die öffentlichen Schulen mit Personalüberhängen arbeiten dürfen, wird den privaten Schulen das Geld gleich abgezogen. Allein an der Dahlemer Rudolf-Steiner-Schule summieren sich die Kürzungen seit 1995 auf jährlich knapp 800000 Euro, was einem Viertel der Zuschüsse entspricht. In anderen Schulen sieht es ähnlich aus.

Die Schulen sind aber nicht bereit, sich damit abzufinden, was eine Flut von Klagen zeigt. Allein am heutigen Dienstag stehen zwei Gerichtsverhandlungen an, bei denen es um die Zuschusskürzungen durch den Senat geht. Beides sind Berufungsverhandlungen vor dem Oberverwaltungsgericht: Die Schele- Schule will sich nicht damit abfinden, dass sie die Reinigungskosten allein tragen muss. Die Rudolf-Steiner-Schule streitet für einen höheren Personalkostenzuschuss in den elften und zwölften Klassen. Und noch eine Berufung steht an: Die Privatschulen haben soeben beschlossen, einen Musterprozess der Emil Molt Schule weiterzuführen. Auch dabei geht es um Personalkostenzuschüsse.

Damit die Sschulen mehr Planungssicherheit bekommen, wollen sie erreichen, dass künftig nicht mehr die Personalkosten bezuschusst werden, sondern dass es eine Platzpauschale gibt. Auch darum wird es gehen bei den Rechenstunden am Tag der freien Schulen.

Weitere Infos im Internet:

www.freie-schulen-berlin.de

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