Unter 18 : Zappeln im Netz

Anna L. postete am 3.12.11 Folgendes: ,, Gestern Nacht war super, wir ham gefeiert bis zum Umfallen!“. Daneben sieht man ein Foto, auf dem Anna mit einem Freund zu sehen ist. Beide halten eine Bierflasche in der Hand und grinsen leicht dämlich.

Heinrich Sander

Genau wie sie präsentieren sich täglich über 840 Millionen Menschen in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Jappy. Auf dem eigenen Profil sind neben Namen, Geburtsdatum und Wohnort meistens auch noch andere persönliche Daten angegeben, zum Beispiel Beziehungsstatus. Über die Konsequenzen der Veröffentlichung der Daten sind sich die meisten nicht bewusst. Die sind nämlich im Prinzip für jeden zugänglich. Im Netz kann man meistens entscheiden, welche der eigenen Daten für wen sichtbar sind. Viele meiner Freunde sind damit viel zu unvorsichtig. Sie geben ihren kompletten Namen an. Man braucht sie also nur zu googeln und schon sieht man alles über sie. Ich bleibe lieber undercover.

 Stellen wir uns vor, Anna ist auf Jobsuche und bewirbt sich bei einer Bank. Diese Bank recherchiert im Internet und stößt auf ihr Facebookprofil. Anna wird als Alkoholikerin abgestempelt und fällt durch das Bewerbungsraster der Bank. So könnte es weitergehen: Anna fällt bei allen Banken durch. Sie ist arbeitslos. Da Arbeitslosigkeit bekanntlich unzufrieden macht, fängt sie wirklich an zu trinken, wird übergewichtig und depressiv. Irgendwann stürzt sie sich vor einen Zug um ihrem Scheißleben ein Ende zu machen. So kann das gehen mit einem Facebook-Eintrag.

Durch die Erstellung von Profilen und durch Einträge auf Seiten erschafft man sich eine eigene ,,Cyber-Persönlichkeit“. Dieses Ich hat mitunter keine große Ähnlichkeit mit der realen Person. Man versucht, sich vor fremden Menschen natürlich immer besser und cooler zu präsentieren, als man in Wirklichkeit ist. Den Genuss von Alkohol halten viele für sehr cool. Man versucht, sich als draufgängerisch und wild zu präsentieren und möglichst viele Likes zu ergattern (durch ein Like oder thumb up offenbart man anderen Leuten, dass man einen Post interessant oder lustig findet).

Natürlich gibt es auch positive Seiten der eigenen Präsentation im Internet. Maler oder Musiker können schneller bekannt werden, indem sie sich eine Seite erstellen. Außerdem kann man über den Beziehungsstatus auf Facebook sehen, ob jemand, an dem man sexuell interessiert ist, schon vergeben oder noch Single ist.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass Anna L. eine fiktive Person ist. Allerdings kenne ich viele Leute, die bei Facebook befremdende Sachen über ihre nächtlichen Vergnügungen posten. Diese schlummern dann wohl für immer im digitalen Gedächtnis.

Heinrich Sander, 14 Jahre

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