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Unterwegs im Ausland : Auf die gerade Tour

17.10.2012 00:00 UhrVon Constanze Bilogan
Unendliche Weite. Wegen der mangelnden Abwechslung auf den Highways empfehlen sich Streichhölzer, die man gegen den Sekundenschlaf zwischen die Augenlider klemmt. Foto: privatBild vergrößern
Unendliche Weite. Wegen der mangelnden Abwechslung auf den Highways empfehlen sich Streichhölzer, die man gegen den Sekundenschlaf zwischen die Augenlider klemmt. - Foto: privat

Endlose Weite, humorlose Polizisten: Auf einem Roadtrip durch die USA lernte unsere Autorin einiges.

LEKTION 1

Wichtig auf einem Roadtrip durch die USA: Geduld und Streichhölzer, die sich auf den täglichen Etappen bei drohendem Sekundenschlaf zwischen die Augenlider klemmen lassen. Endlose Weite und unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Wälder, schnurgerade Straßen mit dem markanten gelben Doppelstrich auf dem Asphalt und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 90 km/h. „Folgen Sie dem Straßenverlauf für 387 Kilometer“, flötet die freundliche Navi-Stimme. Mit Tempomat ähnelt das Fahrerlebnis dem eines Autoscooters. Nebenbei lässt sich im Handumdrehen der nächste Weihnachtspulli stricken, ein Kreuzworträtsel lösen oder ein Eimer mit frittierten Hühnerflügeln verspeisen – mit dem Lenkrad zwischen den Knien kein Problem.

Wenn man sich an den vorbeiziehenden Riesenbäumen in den Red Woods von Kalifornien, Steinwüsten in Oregon und Sand in der Prärie sattgesehen hat, wird es allerdings noch mal spannend. Auf 387 Kilometern Wildnis gibt es keine Tankstelle. Wird diese Tatsache bei 45 Grad in der Wüste harte Wirklichkeit und das einzig Essbare an Bord sind fünf Tage alte Donuts, so bekommt am Ende auch die längste Etappe geradeaus ihre ganz eigene Spannung.

Fahr Süd. Fünf Wochen fuhr Constanze die Westküste der USA entlang. Foto: privatBild vergrößern
Fahr Süd. Fünf Wochen fuhr Constanze die Westküste der USA entlang. - Foto: privat

LEKTION 2

Abwechslung? Nicht unbedingt. USA, das Land der Vielfalt – so meint man zumindest. Was öffentliche Radio-Stationen angeht, ist die musikalische Abwechslung hingegen gering. Der Ami-Mainstream scheint genau zehn Songs zu mögen und wenn der Slogan des Radiosenders lautet: „Only the best in American music“, dann bekommt man auch nur das Beste, in Dauerschleife. So hörten wir Carly Rae Jepsens „Call me maybe“ mindestens dreimal die Stunde, auf sechsstündigen Autofahrten pro Tag also 18 Mal. Ob in der Wüste, im Gebirge oder an der Küste, am besten man ruft Carly von überall aus mal an. Und bittet sie bei Gelegenheit direkt, die Platte zu wechseln. Oder man steigt von Anfang an auf selbst gebrannte CDs um. Mindestens genauso originell wie das Radio ist das US-Fernsehen. Wer glaubt, mit den Geissens, Frauentausch oder anderen Scripted-Reality-Formaten hätten wir hierzulande die Entertainment-Niete gezogen, schalte einfach zu beliebiger Tageszeit den TV-Sender TLC an. Man nehme ein Motel „Bollywood-Style“ in Aberdeen, einer der totesten Städte der Westküste, zwei deutsche Mittzwanzigerinnen und einen Abend Leerlauf. „Wir wollen unterhalten werden, egal wie“, hatte uns ein befreundeter Ami zuvor mitgeteilt. Egal wie ließen auch wir uns an diesem Abend berieseln: mit dem Serien-Highlight „Toddlers and Tiaras“. Darin stylen überambitionierte Mütter ihre zweijährigen Töchter wie Barbie, setzen ihnen falsche Gebisse ein und schicken sie auf Schönheitswettbewerbe. Erschreckend, denn man möchte doch meinen, Kinder hätten das Bedürfnis zu spielen, anstatt sexy Choreografien im Cowgirl-Outfit vor einer Jury vorzutragen.

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