Werbinich : Unwissen schafft Angst

Max reagiert sich ab.
Max reagiert sich ab.

Viele Erwachsene können dem Fortschritt der modernen Unterhaltungsindustrie nicht folgen und gehen mit gefährlichem Halbwissen auf Feldzüge gegen sogenannte „Killerspiele“.

Die Idee, dass Jugendliche via Internet das virtuelle Leben anderer Spieler auslöschen, ruft Verständnislosigkeit und Wut hervor. Wie kann es sein, dass Jugendliche in dieser aufgeklärten Gesellschaft und vor allem vor Deutschlands geschichtlichem Hintergrund in ihrer Freizeit zu virtuellen Massenmördern mutieren? Was die besorgten Mütter und Väter jedoch nicht begreifen: Nur, weil es für sie selbst realistisch aussieht, wenn in „Call of Duty“ ein Soldat den anderen niederstreckt und dieser melodramatisch schreiend zu Boden fällt, empfinden ihre Kinder nicht automatisch genauso. Wir sind es gewohnt, dass Computerspiele immer bombastischer inszeniert werden. Letztens habe ich meinem kleinen Bruder dabei zugeschaut, wie er verzweifelt versuchte, bei „Mario Kart“ eine Kuh zu überfahren. Der erhoffte Effekt blieb aus, das Tier kaute unbeeindruckt weiter.

So traurig es auch manchen Eltern erscheinen mag, aber nach einem langweiligen Schultag möchte man sich abreagieren, man will sich aufregen, zur Not rumschreien. Das geht nicht mit Spielen, in denen man töpfert oder einen Ponyhof verwaltet, jedenfalls, wenn man ein Junge ist.

Dank moderner Technologien kann ich mich in „Call of Duty“ über ein Headset mit anderen Spielern verständigen und mit ihnen sowohl Angriffe koordinieren als auch über das Wetter und unsere Hobbys sprechen. Letztens habe ich eine sehr angeregte Diskussion mit einem jungen Briten über deutsche Auslandspolitik geführt, während wir gemeinsam im Jemen mit vollautomatischen Maschinengewehren Rebellen niederstreckten.

Früher führten Freunde Kriege mit Zinnsoldaten, heute werden die Soldaten über das Internet ferngesteuert. Es bleibt aber dennoch nur ein Spiel! Uns Jugendlichen fällt es leichter zu unterscheiden, wann wir uns in der virtuellen Welt befinden und wann es an der Zeit ist, die Hausaufgaben zu machen. Ich werde deshalb meine Differenzen mit den Lehrern nicht mit einer MP5 aus der Welt schaffen! Genauso wenig sorgen gewaltfreie Spiele dafür, dass irgendjemand ein besserer Mensch wird. Hört auf, eure Ängste auf uns zu projizieren und kümmert euch stattdessen um Wichtigeres. Um den Brandschutz im neuen Flughafen zum Beispiel. Max Deibert, 16 Jahre

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