Valentinstag : Und jetzt mit Gefühl

Unsere Autoren erzählen von ihren schönsten, denkwürdigsten und schrägsten Erlebnissen am Valentinstag

Sag's durch die Blume. Rosen zum Valentinstag sind eine sichere Bank.
Sag's durch die Blume. Rosen zum Valentinstag sind eine sichere Bank.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es hört sich so sehr nach Klischee an, dass man(n) sich diese Geschichte nicht besser hätte ausdenken können: Zum Valentinstag vor einem Jahr deutete sich eine grenzüberschreitende Liaison zwischen einem Jungen und einem schönen Mädchen an. Sie griff zur eindeutigsten aller Gesten und schenke ihm eine Rose. Wie originell, eine junge Dame – noch dazu eine aus der Fremde – ergreift selbst die Initiative und verschenkt eine Rose, dachte der Beschenkte. Wenig später entdeckte er in einer Meldung eines Fachblattes: So originell war die Schenkerin nicht. Allein aus ihrer Heimat werden jedes Jahr 800 Millionen Rosen nach Deutschland geliefert. Vielleicht ist aus der Liebe mit Riekje deshalb nichts geworden. Hannes Heine

Ich war so verliebt und 13 Jahre alt. Er war drei Stufen über mir und der Sohn meiner Lehrerin. So konnte ich ganz einfach seine Adresse herausfinden. Ich verbrachte Stunden im Laden, um eine Valentinskarte mit passendem Motiv auszusuchen. Die Karte schickte ich ihm mit lieben Wünschen und dem Hinweis, dass ich mich nicht traue, ihm zu sagen, wer ich bin – aber dass ich ihn total mag. Den ganzen Valentinstag über war ich aufgeregt, ich stellte mir vor, wie er meine Karte las. Einen Tag später suchte ich in der Pause nach ihm. Ich wollte sehen, ob man ihm die Freude über meine geheime Post anmerkte. Aber … nichts! Sechs Jahre später waren wir dann in einer Clique. Und ich gestand ihm meine kindliche Liebestat. Zusammengekommen sind wir nicht. Das war dann aber auch nicht mehr schlimm. Hadija Haruna

Und auch das bringt so ein Valentinstag zum Vorschein, nämlich dass sich das Verliebtsein selten mit den politischen Überzeugungen in Einklang bringen lässt. Einen Tod, so sagt man wohl, muss man sterben.

Gott, war ich verliebt, und Himmel, war ich links, nicht unbedingt ein Kommunist der reinen Lehre, aber doch ein kritischer Verweigerer der bürgerlichen Alltagswelt. Eine Welt, in der nicht nur der Vater-, der Mutter-, sondern eben auch der Valentinstag begangen wurde – Tage, die für mich wahlweise Erfindungen der Bierindustrie, der Küchengeräteindustrie oder der Blumenindustrie waren. Mein eines Problem war jetzt nur, dass das Mädchen, in das ich verliebt war, diese Alltagswelt sehr in Ordnung fand. Mein anderes Problem war, dass ich nicht der einzige Junge war, der das Mädchen liebte – allerdings war ich der einzige, der den Valentinstag und seine Bräuche ablehnte. Und während meine Mitbuhler also Blumen kauften, Kassetten aufnahmen, Plüschtiere verpackten, suchten ich nach anderen Möglichkeiten, meine Zuneigung zu beweisen, ohne politischen Verrat zu begehen. Aber schon bei dieser Suche beging ich Verrat, denn ich hörte dabei die großartige Popperplatte „The Lexicon of Love“ von ABC, vor allem das Lied „Valentine Day“. Es beginnt so: „When the postman don’t call on Valentine’s day / And Santa Claus don’t come on a Christmas Day / That umbrella won’t work on a rainy day / Don’t ask me, I already know“

Vielleicht, so dachte ich, könnte ich einen Kaktus kaufen. Ein Kaktus ist keine Orchidee. Ein Kaktus sticht. Ein Kaktus würde meine Ablehnung UND meine Zuneigung symbolisieren. Mit einem Kaktus, so dachte ich, wäre ich fein raus. Mein Gesicht bliebe gewahrt – mein Herz stünde trotzdem sichtbar offen.

Ich kaufte einen Kaktus. Einen ganz kleinen, schönen. Ich übergab ihn dem Mädchen mit größtmöglicher Lässigkeit. Es fand das zunächst auch, nun ja, rührend. Am nächsten Tag gab es mir den Kaktus zurück mit den Worten: „Botschaft angekommen.“ Botschaft? Welche Botschaft? Verwirrt und verzweifelt fragte ich meine Mutter. Sie lachte und sagte, dass das Verschenken eines Kaktus’ bedeuten würde, dass man eine Freundschaft zerschneidet.

Ich nahm dann ganz schnell eine Kassette für das Mädchen auf. Die Kassette endete mit „Valentines Day“ von ABC. Und das sind die letzten Worte: „When I’m shaking a hand, I’m clenching a fist / If you gave me a pound for the moments I missed / And I got dancing lessons for all the lips I shoulda kissed / I’d be a millionaire / I’d be a Fred Astaire.“ Kam übrigens auch nicht gut an. Jan Hammer

Es war alles genau vorbereitet. Ich hatte alle Zutaten für die Torte besorgt, inklusive verschiedener Glasuren und Lebensmittelmalfarben. Das Backblech in Herzform hatte ich bereits vier Wochen vor dem Valentinstag gekauft – für den Fall, dass alle Herzbackformen der Stadt später ausverkauft sein könnten.

Am Abend vor dem großen Ereignis machte ich mich an die Arbeit. Das Anrühren und Backen bereiteten die geringste Mühe. Schwieriger war es, das aus dem Ofen kommende Gebäckstück horizontal in zwei gleiche Hälften zu teilen, um es mit einer Schokoschicht zu füllen. Der Bindfaden, den ich zur Hilfe nahm, verrutschte immer wieder und drohte, das Kuchenherz in der Mitte auseinanderzureißen. Nach mehreren Anläufen gelang es mir schließlich. Und zwei Stunden später war dann auch der Rest vollbracht: Das Gebäck war unter schweren Schichten aus Creme und Glasur verschwunden, der Name des Auserwählten leuchtete in roten Lettern oben drauf. Zufrieden stellte ich die Torte über Nacht in den Kühlschrank.

Voller Vorfreude erwachte ich am nächsten Morgen: Noch anderthalb Stunden bis zum Treffen! Ich machte mich zurecht und malte mir dabei aus, wie er auf das Konditorstück reagieren würde. Kurz bevor ich das Haus verlassen wollte, ging ich zum Kühlschrank, um den Beweis meiner Zuneigung rauszuholen. Der Teller, auf dem er sich befand, verhakte sich unglücklich zwischen den vielen Tupperschachteln und Konservendosen – die Torte fiel mir direkt in den Schoß. Der Tag war dahin. Und die Liebe wenig später auch. Nana Heymann

Ich dachte: Mit Rosen kann man nichts falsch machen. Muss man sich nur entscheiden, wie viele. Zehn Stück sind zu naheliegend, mehr wirkt leicht protzig, weniger knauserig. Ich fragte den chinesischen Blumenhändler, aber er verstand das Problem nicht. „Kaufen jetzt oder nicht?“ Ich nahm zwölf, so konnte ich später immer noch entscheiden, wie viele davon ich wieder aus dem Strauß entfernen würde. Unterwegs kam ich an einem zweiten Blumenladen vorbei, dort sah ich, dass es viel prachtvollere Exemplare gab, mit längerem Stil und dunkleren Rottönen. Für fünf Euro das Stück. Ich kaufte noch einmal zwölf und legte die anderen auf einer Parkbank ab. Bevor ich die edlen übergab, reduzierte ich den Strauß auf acht. Und dann auf sechs. Sie freute sich und sagte: „Die sehen aber ganz schön teuer aus!“ Wenn sie wüsste. Sebastian Leber

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