Werbinich : Versetzung ohne Verstand

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Zweimal im Jahr kommt es in Gang: das große Versetzungskarussell der Bildungsverwaltung. Da werden Lehrer von Ost nach West geschickt oder von Grundschulen hin zu Oberschulen oder umgekehrt. Immer geht es darum, den Lehrermangel zu beheben, ohne neue Lehrer einstellen zu müssen.

Im Prinzip ist gegen diese Vorgehen nichts einzuwenden: Wer will schon in Zeiten finanzieller Not verantworten, dass Personal nicht genau dort ist, wo es am meisten gebraucht wird? Allerdings treten auch die Schattenseiten dieser Versetzungspraxis mitunter zutage. Jüngstes Beispiel ist eine Reinickendorfer Grundschule, an der die Eltern geradezu in Verzweiflung geraten über eine Lehrerin, die, so ist zu hören, gegenüber den kleinen Kindern den völlig falschen Ton anschlägt und inzwischen nur noch in Begleitung eines Erwachsenen vor die Schüler treten darf. Dem Vernehmen nach arbeitete die Frau vorher an einer Hauptschule, wo sie sich offenbar einen ziemlich harschen Ton angewöhnt hat. Jedenfalls einen Ton, der einigen Grundschulkindern jegliche Freude an der Schule genommen hat.

Inzwischen wird vermutet, dass die Lehrerin die Schule verlassen wird. Auch sie wird dann an irgendeiner Schule irgendeine Lücke stopfen, damit wenigstens rechnerisch alles in Ordnung ist. Welcher Unterricht bei den Schülern dann letztlich ankommt, interessiert erst in zweiter Linie. Oder gar nicht – bis die Eltern Alarm schlagen. sve

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