• Vom Messias zum Mechaniker der Macht Christoph von Marschall und Malte Lehming blicken im Salon auf die zweite Amtszeit Obamas

Werbinich : Vom Messias zum Mechaniker der Macht Christoph von Marschall und Malte Lehming blicken im Salon auf die zweite Amtszeit Obamas

Malte Lehming
Malte LehmingFoto: Mike Wolff

Es gehörte schon einiger Mut dazu, im Sommer 2012 ein Buch mit dem Titel „Der neue Obama – Was von der zweiten Amtszeit zu erwarten ist“ zu veröffentlichen – Monate, bevor feststand, ob Obama die Wahl überhaupt gewinnen würde. Aber Christoph von Marschall, US-Korrespondent des Tagesspiegels, war sich ziemlich sicher. „Ich habe auf drei Dinge vertraut“, sagt er: „Erstens gab es keinen starken Gegenkandidaten; zweitens war absehbar, dass der Streit im Vorwahlkampf die Republikaner beschädigen würde; und drittens ist Obama einfach näher dran am Herzschlag der Gesellschaft.“ Das Risiko, ein Buch mit einem prophetischen Titel zu schreiben, erschien ihm daher „kalkulierbar“.

Gerade ist Barack Obama erneut vereidigt worden: Ist das derselbe Mann, der vier Jahre zuvor auf einer Welle der Begeisterung ins Amt getragen wurde? Christoph von Marschall beobachtet den Präsidenten seit Jahren genau, er hat bereits 2007 eine Biografie von ihm vorgelegt, zwei Jahre später eine Biografie seiner Frau Michelle. „Natürlich hat er sich durch die Macht verändert“, sagt er, „seine Mimik ist härter geworden, er ist teilweise desillusioniert und zynischer“. Vom „Messias“ sei er zum „Mechaniker der Macht“ geworden – aber letztlich für die Amerikaner doch die beste Wahl.

Malte Lehming, leitender Redakteur des Tagesspiegels, war von 2000 bis 2005 Korrespondent in den USA und ist im Wahlkampf mit seiner Familie für drei Monate dorthin zurückgekehrt. „Ich habe ein anderes Land erlebt als das, das ich von damals kannte“, erzählt er. Ein Land, das in einer schweren Identitätskrise steckt und politisch fast gelähmt ist, weil sich die Parteien gegenseitig blockieren. Im Tagesspiegel-Salon werden die beiden USA-Kenner mit Juliane Schäuble, stellvertretende Ressortleiterin Politik, über die Herausforderungen diskutieren, die sich Obama jetzt stellen – und ob der Präsident es schaffen kann, sein Land aus der Identitätskrise zu führen. D.N.

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