Werbinich : Vom Studieren und Probieren

Claudia Keller

„Probieren geht über Studieren“ weiß ein bekanntes Sprichwort. Wenn die Bildungsverwaltung etwas verinnerlicht hat, dann das. Man könnte an dieser Stelle nun die Reformfreudigkeit der Berliner Pädagogen loben. Denn es gibt kaum eine Berliner Schule, die in den vergangenen Jahren nicht an irgendeinem Schulversuch teilgenommen hat. Liest man sich die Antwort von Bildungssenator Zöllner auf die Kleine Anfrage der FDP zu Schulversuchen genauer durch, wird einem das Loben gleich wieder schwer gemacht. Mitunter handelt es sich bei den Versuchen eher um Aktionismus, bei dem es nebensächlich zu sein scheint, was am Ende dabei herauskommt. Was nutzt all das Probieren, fragt FDP-Schulpolitikerin Mieke Sentfleben zu Recht, wenn kein Geld zum Studieren bleibt? Wenn die Versuche kaum mehr wissenschaftlich begleitet werden können und die außerdem so wahnsinnig innovativ sind, dass sie sich mit nichts Dagewesenem mehr vergleichen lassen? Und wenn sich ein Versuch dann tatsächlich als wegweisend herausstellt und zur Normalität wird, wird das Geld gekürzt. So pfeifen es die Spatzen von den Dächern, soll es den musikorientierten Grundschulen demnächst ergehen. Vielleicht geht doch Studieren über Probieren.

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