Werbinich : Wahlkampf um die Schule

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In der vergangenen Woche hatten die Richter das Wort. Sie verkündeten, dass man einer Schülerin sehr wohl zumuten kann, das neue Fach Ethik zu besuchen; jedenfalls so lange, bis das Hauptverfahren in der Frage entschieden ist. Wenn die Schülerin dennoch am Religionsunterricht festhalten will, muss sie eben beides belegen – Ethik und Religion.

Unklar ist noch immer, wie viele Siebtklässler sich diese Doppelung zumuten wollen: Die Kirchen haben bislang keine umfassenden Rückmeldungen aus den Schulen. Somit rückt die große Bilanz immer näher an die Wahl heran. Falls die Zahl der Schüler, die Religion gewählt haben, im Vergleich zu den Vorjahren rapide zurückgeht, haben die Christdemokraten ein gutes Wahlkampfargument hinzugewonnen.

Bislang setzen sie stärker auf das Thema „Einheitsschule“. Es prangt auf vielen Wahlplakaten und soll schon als Wort seine ganze abschreckende Wirkung erzielen. Tatsächlich wird es nicht wenige Berliner geben, die ruck, zuck Honeckers Sozialistische Einheitspartei assoziieren, wenn sie das Wort „Einheitsschule“ lesen. SPD und PDS halten dagegen und sprechen stattdessen von „Gemeinschaftsschule“ und „Schule für alle“, was viel angenehmer klingt.

Allerdings fällt es nicht allen Parteigenossen leicht, so viel Wortakrobatik nachzuvollziehen. Selbst der Regierende Bürgermeister verspricht sich da schon mal und führt unversehens den Begriff „Gesamtschule“ im Munde, wenn er eigentlich „Gemeinschaftsschule“ meint. Einem FDP-Vertreter ging diese Begriffsverwirrung jetzt zu weit. „Ein Misthaufen bleibt ein Misthaufen – egal, wie man ihn benennt“, schimpfte er. Wahlkampf eben.sve

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