Werbinich : Was auf den Tisch kommt, ist Bezirkssache

Ariane Bemmer

Alle 414 Berliner Grundschulen werden bis 2007 zu Ganztagsschulen ausgebaut, also brauchen die Kinder mittags Essen. Während die Schulen im Osten der Stadt meist noch aus Vorwendezeiten ihre Kantinen haben, müssen die meisten Schulen im Westen umbauen. An der Wilmersdorfer Johann-Peter-Hebel-Schule etwa wird im untersten Stockwerk gerade eine Mensa eingerichtet. Es staubt und lärmt, wenn Wände durchstoßen werden. Rund 200000 Euro koste ein kompletter Schulkücheneinbau, sagt der zuständige Schulstadtrat Erik Schrader. Die Bundesregierung hat für die Umbaumaßnahmen 147 Millionen Euro bereit gestellt, das Land zusätzlich 4,3 Millionen Euro. Viele fürchten, dass das nicht reicht.

Die Bezirke müssen als Träger der Schulen geeignete Firmen finden, die Essen in die Schulen bringen oder dort kochen. Dazu soll es teilweise europaweite Ausschreibungen geben, die momentan noch vorbereitet werden. Einige Schulen haben bereits begonnen, die Eltern nach den Wünschen für das Essen ihrer Kinder zu fragen.

Man habe noch etwas Zeit, heißt es in den Bezirken, der offizielle Start für die Umwandlung der Schulen in Ganztagsschulen sei erst nach den Sommerferien und werde sich über Jahre ziehen. Ab Herbst sollen erstmal befristete Verträge mit Caterer-Firmen geschlossen werden. Um den Bezirken bei der Auswahl der Caterer zu helfen, hat die Schulbehörde einen Leitfaden entwickelt. Er schreibt unter anderem vor, dass zehn Prozent der Nahrung aus ökologischem und regionalem Anbau stammen sollen.

Da zu jeder Jahreszeit anderes Gemüse wachse, könnten Kinder gleichzeitig etwas lernen, hofft Schulsenator Klaus Böger (SPD). „Ernährungsbildung“ heißt das Zauberwort. „Wir wollen durch das Schulessen das Ernährungsverhalten der Kinder beeinflussen.“ Denn die Kinder essen zu fett und zu süß, jedes fünfte Kind in Berlin ist zu dick. Falsches Essen schwächt außerdem die Konzentrationsfähigkeit. „Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder anspruchsvoll und qualitativ hochwertig ernährt werden“, sagt Elisabeth Müller-Heck. Berlin habe als erstes Bundesland zusammen mit der AOK Kriterien für ein gesundes Schulessen entwickelt, so Müller-Heck.

Mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung werden sich darüber hinaus 13 Schulen im Bezirk Mitte nach den Sommerferien im Rahmen des Projekts „Anschub.de“ schwerpunktmäßig mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigen und die Kinder auch im Unterricht an die gesunde Kost heranführen.

Außerdem hat man eine „Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin“ gegründet, die die Schulen und Ämter beraten soll. Der Einfluss der Schulbehörde ist allerdings begrenzt. Wählt ein Bezirk ohne Rücksicht auf Qualität einfach den billigsten Anbieter, könne man das auch nicht ändern.

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