Was es heißt jung zu sein : Zwischen Vorfreude und Melancholie

"Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft". Das hat Jean–Paul Satre einmal gesagt. Viele Jugendliche fiebern so auch dem letzten Schuljahr lange entgegen. Mit falschen Erwartungen, wie unsere Autorin feststellt

Jacqueline Möller

Vor drei Wochen hat das neue Schuljahr begonnen, für mich ist es das letzte. Auf diesen Moment hat man lange hingefiebert, doch nun fühlt er sich merkwürdig und beklemmend an. Plötzlich bin ich diejenige, die zum Abschlussjahrgang gehört, zu den Jungs und Mädchen, an denen man früher mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung vorbeigelaufen ist. Verschwunden sind nun die Mitschüler aus den höheren Klassenstufen, diejenigen, zu denen man einst aufgeschaut hat. Weg auch der Zauber, die Coolness, die sie verbreitet haben, wann immer man ihnen auf dem Schulflur begegnete.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich das erste Mal Janina erblickte. Ich war damals gerade in die fünfte Klasse gekommen, sie war acht Stufen über mir – und wurde mein heimliches Vorbild. Ihre zierliche Erscheinung, die blonden Haare, das gut gelaunte Lächeln, das einem suggerierte, Schule sei die reinste Erholung. Ihre Bücher und Hefter verstaute sie in einem Aktenordner, der wesentlich eleganter war als mein klobiger Schulranzen mit den roten Blümchen drauf. Auch ihr Outfit war das genaue Gegenteil von meinem: figurbetont, modisch und farblich perfekt abgestimmt. Um mich war es geschehen: So und nicht anders wollte ich auch sein. Grazil, lässig, perfekt.

Lesen Sie auf Seite zwei wie die Realität wirklich aussah.

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