Was Jugendliche motiviert : Nutz deine Wut als Antrieb

Wisst ihr eigentlich, wie wütend das macht, wenn man ständig beweisen muss, dass man genauso gut, genauso stark und intelligent ist wie die anderen? Wir sogenannten Ausländer müssen das ständig, sagt Bengisu, 16 Jahre:

Bengisu Köse
Bengisu (vorne) schafft alles, was sie will.
Bengisu (vorne) schafft alles, was sie will.

Wenn dir in deinem Leben oft gesagt wird, dass du etwas nicht schaffen kannst, dass du zu dumm bist, das falsche Geschlecht hast oder deine Herkunft nicht stimmt, dann gibt es auf die Dauer zwei Möglichkeiten, in welche Richtung dein Leben geht. Entweder du lässt dich unterkriegen, lebst nach diesem tief gelegten Maßstab und erfüllst die Erwartungen der anderen, während die Wut in dir wächst, bis sie aus dir herausbricht oder du in dir drinnen einknickst und dich den Vorurteilen beugst. Oder du nutzt die Wut als Antrieb, um es den Menschen um dich herum zu zeigen, um diese Vorurteile zu überwinden, und gibst dein Bestes, um über die Messlatte zu steigen und alle zu verblüffen. Um ihnen und auch dir selber zu beweisen, dass du genauso gut bist wie sie, genauso stark und genauso intelligent.

In meinem Fall war und ist der Grund für diese Situation meine Herkunft. Als sogenannter Ausländer begegnet man oft Vorurteilen. Es wird uns nachgesagt, wir seien faul und nicht fähig, logisch zu denken. Selbst im Alltag bekommt man das oft genug zu spüren. Wenn dir Leute sagen, du lebst auf ihre Kosten, oder dir auf dem U-Bahn-Steig zurufen: „Grüß mal deinen Bruder Osama!“ oder der Meinung sind, alle Muslime gehören Al Qaida an. Einige von euch werden sicherlich auch schon Derartiges erlebt haben.

Wenn es meine Eltern von einfachen Dorfkindern aus der Türkei durch Willenskraft und Durchhaltevermögen geschafft haben, erfolgreiche Akademiker zu werden, und dann trotzdem noch Ausgrenzung und Anschuldigungen zu spüren bekommen, dann macht einen das wütend. Aus diesem Grund habe ich mich angestrengt, um mir zu beweisen, dass ich auch gut sein kann, wenn ich das will, und ich bin mit einem Notendurchschnitt von 1,1 aufs Gymnasium gekommen.

Aber dieses Gefühl, sich in allem beweisen zu müssen, um seinen Platz in diesem Land zu rechtfertigen, bleibt trotzdem da, denn es gibt immer wieder Leute, die keine Ahnung haben. Zum Glück ist das eine Minderheit. Wenn man mich heute fragen würde, ob ich mich überhaupt als Deutsche fühle, würde ich sagen: Ja, ich bin deutsch, genauso wie alle anderen hier. Es gibt aber den Unterschied, dass ich um eine Kultur reicher bin und mich glücklich schätzen kann und stolz bin, Eltern zu haben wie meine.

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