Werbinich : Weniger Sitzenbleiber

Susanne Vieth-Entus

Morgen also gibt’s Zeugnisse. Dann werden die Schul-Statistiker herausfinden, ob dieses Jahr tatsächlich weniger Kinder sitzen geblieben sind. Das ist in diesem Jahr besonders spannend, weil, wie wir vor zwei Wochen auf dieser Seite berichtet haben, das neue Schulgesetz die Lehrer erstmals verpflichtet, Förderpläne für schwache Schüler aufzustellen.

Schulleiter Wolfgang Harnischfeger vom Lankwitzer Beethoven-Gymnasium hat gute Nachrichten. Mit den Wackelkandidaten hat er in Intensivkursen Mathematik und Französisch gepaukt, so dass diesmal statt 20 bis 22 Schüler wie in den vergangenen Jahren lediglich zwölf nicht versetzt wurden. Also nur noch rund die Hälfte. „Die Crashkurse in Französisch haben besonders geholfen“, sagt Harnischfeger. Zwar brauchte er dafür überschüssige Lehrerstunden, die er im kommenden Jahr nicht mehr haben wird. Aber er glaubt, dass es auch ohne diesen Personalaufwand gelingen kann, die Sitzenbleiberquote zu senken. Seine Erfahrung ist, dass die Förderpläne helfen, die Eltern mitzuziehen, damit sie sich beispielsweise mehr um die Schularbeiten ihrer Kinder kümmern.

Dieses Konzept geht allerdings nur auf in einem sozial stabilen Umfeld und bei Schülern, deren Lücken nicht allzu gravierend sind. Bei schlechteren Ausgangsbedingungen und wenn die Schüler zum Beispiel nicht gut Deutsch können, reicht es nicht, nur einen Förderplan aufzustellen und mit Kindern und Eltern intensiv zu sprechen.

„Wir brauchen zusätzliche Lehrerstunden für die Förderung“, fordert deshalb Martin Kraschewski, der das Robert-Blum-Gymnasium im sozial schwierigen Schöneberger Kiez leitet. Nicht alle Schüler könne man dadurch „retten“, dass man sie durch einen Förderplan aufrüttelt. An dieser Stelle greifen wir Themen auf, die uns in den vergangenen Wochen auf der Schulseite beschäftigt haben.

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