Werbinich : Wenn Eltern älter werden

Veränderungen erkennen, die verbleibende Zeit gestalten: Tipps für die Kinder.

OHNE TITEL, ABER MIT KIPPENBERGER. Auch dieses Bild (1981, aus der Serie „Lieber Maler, male mir“) ist ab Samstag im Hamburger Bahnhof zu sehen.
OHNE TITEL, ABER MIT KIPPENBERGER. Auch dieses Bild (1981, aus der Serie „Lieber Maler, male mir“) ist ab Samstag im Hamburger...Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln

Es war ein anstrengender Tag für die berufstätige Tochter, aber nach Feierabend schafft sie es doch noch, bei ihrer pflegebedürftigen Mutter vorbeizugucken. Erzählt ihr vom neuen Projekt, räumt nebenbei Teller weg – und wundert sich: Warum fragt die Mutter nie nach, interessiert sie sich nicht? Geistig gesund ist sie doch noch?

Ja, aber die 83-Jährige lebt in einer anderen Welt, in einem anderen Tempo. Das Hereinpreschen und die Geschäftigkeit der Tochter überfordern sie, es wäre ihr lieber, sie würde sich hinsetzen und einen Moment lang schweigen. Bärbel Theis, Diplompädagogin und lange Jahre als Krankenschwester im Krankenhaus tätig, hat viele Situationen wie diese beobachtet. Und festgestellt: „Erwachsene Kinder schätzen die Begleiterscheinungen des Alters oft nicht richtig ein. Dadurch entstehen Missverständnisse und das Zusammensein wird für alle Beteiligten anstrengend.“ Wenn die Eltern pflegebedürftig werden, fühlen sich die Kinder schnell überfordert, entwickeln ein schlechtes Gewissen oder es kommt zu Konflikten zwischen den Geschwistern.

Heute ist Bärbel Theis als Dozentin im Gesundheitswesen tätig und möchte, wie sie sagt, „Ruhe in das Thema bringen“. Denn vieles, was den erwachsenen Kindern und ihren Eltern bis zu deren Tod bevorsteht, kann man vorher wissen und sich darauf einstellen. Zum Beispiel dass alte Konflikte zwischen Geschwistern wieder aufbrechen können: „Häufig entstehen Aggressionen, weil ein Geschwister sozusagen das Gefühl für sich pachtet und dem anderen Vorwürfe macht, dass er oder sie zu rational mit dem Thema umgeht.“

Wenn Bärbel Theis über das Altwerden und Sterben spricht, kommen keine Trauer oder Verlegenheit auf, sondern eher Zuversicht und Dankbarkeit. „Nutzen Sie die Zeit für Gespräche und Klärungen, gucken Sie, was Sie mit Ihren Eltern teilen können – nicht nur was Sie regeln müssen. Und gönnen Sie sich die Momente des Glücks!“

Im Tagesspiegel-Verlagshaus spricht Bärbel Theis darüber, wie Kinder altersspezifische Veränderungen ihrer Eltern erkennen und damit umgehen können. Die Moderation übernimmt Tagesspiegel-Redakteur Ingo Bach, der für den Pflegeheim- und Klinikführer verantwortlich ist (www.gesundheitsberater-berlin.de). „Eltern von Kleinkindern erkennen sich gegenseitig und tauschen sich gerne aus“, sagt Bärbel Theis. „Aber die Kinder von pflegebedürftigen Eltern bleiben mit ihrem Thema meist allein.“ D.N.

Donnerstag, 14. März, Beginn 19 Uhr, Askanischer Platz 3. Eintritt inkl. Begrüßungssekt 13 Euro. Infos und Anmeldung siehe Infokasten.

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