Werbinich : Wie man Vertrauen verspielt

Claudia Keller

Das fängt ja gut an. Dachte Jens Arnold, als ihm vergangene Woche die Schulbehörde mitteilte, dass er nun doch nicht verbeamtet wird. Da hatte der 33-Jährige, der seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, gleich gar keine Lust mehr, überhaupt in Berlin anzufangen. Schließlich suchen auch andere Bundesländer Lehrer.

Arnold ist einer von 245 neuen Lehrern, die nach den Sommerferien den Berlinern etwas beibringen sollen, in seinem Fall Wirtschaft. Noch vor zwei Wochen hatte ihm der zuständige Sachbearbeiter in der Schulverwaltung geschworen („Ich lege meine Hand dafür ins Feuer“), dass er nächstes Jahr Beamter sein wird. Die Hand wäre jetzt wohl verbrannt.

„Mir geht es nicht um die Verbeamtung“, sagt Arnold, „sondern um die Glaubwürdigkeit. Wer garantiert mir, dass sich die Schulbehörde an die anderen Zusagen hält?“ Erst Ja sagen, dann wieder absagen, das sei einfach kein Stil. „In der Wirtschaft hätte ich jetzt Chancen vor dem Arbeitsgericht“, meint der junge Lehrer.

Ja, man habe den potenziellen neuen Lehrern die Verbeamtung in Aussicht gestellt, heißt es in der Schulbehörde – auch in den Verträgen, die 26 Kollegen bereits unterschrieben haben. „Wir haben getan, was wir konnten“, sagt Schulsenator Klaus Böger (SPD). Der Grundsatzbeschluss, Lehrer nicht mehr zu verbeamten, gilt offiziell ab dem kommenden Schuljahr. Böger hatte trotzdem gehofft, den 245 Lehrern, die nach den Sommerferien anfangen sollen, den Beamtenstatus verleihen zu können – weil das seine Behörde billiger gekommen wäre, als sie beim Land anzustellen. Ein Senatsbeschluss vor zwei Wochen hatte aber entschieden, dass der Grundsatz ab sofort gilt. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) will nun außerdem zusätzlich Geld für die Anstellung ausgeben.

Die Zeit wird immer knapper, genügend neue Lehrer für den Herbst zu finden. Erst die Hälfte hat einen Vertrag unterschrieben. Nach dem Widerruf der Verbeamtung vergangene Woche haben einige wieder abgesagt, bestätigt die Schulbehörde. Könnte sein, dass viele in Urlaub sind – und noch gar nicht wissen, dass das, was sie unterschrieben haben, nicht mehr gilt.

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