Wir müssen REDEN (17) : Fuck forever

Wie wird dein Jahr 2008? Das fragte Elena Senft vorige Woche. Zum Jahresende antwortet Ric Graf.

Ric Graf
ric graf

Am Jahresende fühle ich mich immer leicht überfordert und wie ein Laienschauspieler in einer eher einfallslosen Theaterinszenierung. Und ich werde von Jahr zu Jahr schlechter im Harmoniestelldichein.

Die Endzeitverpflichtungen wie Geschenke kaufen, Grüße per SMS versenden, die Familie anrufen – all das kann ich nicht wirklich gut, und das Scheitern an dieser Aufgabe führt bei mir schon fast zur Selbstaufgabe. Dazu kam eine Erkältung, die sich besonders schlecht mit den zahlreichen Beruhigungsdrinks an Weihnachten vertrug. Und jetzt geht der ganze Spuk auch noch weiter.

Silvester heißt die lautere, schmutzigere Fortsetzung, aber sie liegt mir mehr als Weihnachten. Ich muss keine Geschenke besorgen, kann gleich trinken, und wenn ich keinen Bock auf besinnliche Konversation habe, drehe ich einfach die Musik lauter – und es wird nicht das Weihnachtsoratorium von Bach sein. Und auch nicht „The Final Countdown“. Eher „Fuck Forever“ von den Babyshambles oder „Last Nite“ von The Strokes.

Wie 2008 also nun wird? Ich habe in den letzten Tagen aus Langeweile sämtliche Jahreshoroskope gelesen. Wenn es nach den Horoskopen geht, wird mein Jahr eher lau: Zwei von fünf Herzen in Sachen Liebe, der Juni läuft ganz gut, der Sommer an sich aber eher highlightlos, mein Glücksbringer ist ein Bernstein, ich werde für andere eher unnahbar sein, und der erste Glückstag im Jahr ist Ende Februar. Vorsichtig muss ich aber schon am 6.Januar sein. Das kann ja was werden. Was ich mir vornehme? Kurz und schmerzlos: nicht viel. Vielleicht etwas reifer und erwachsener werden. Das empfehlen mir übrigens auch die Horoskope. Ich sollte mein Leben mehr planen, die Steuererklärung diesmal pünktlich abgeben, Briefe früher beantworten, Rechnungen rechtzeitig zahlen. Und mit dem Rauchen aufhören. All das gehört zum guten Ton am Ende des Jahres. Ich nehme mir das aber eher halbherzig vor. Eigentlich sind ja Vorsätze auch etwas für Leute mit Bausparverträgen.

2008 erwartet mich nicht viel: Ich werde nicht heiraten, kein Kind bekommen, es ist keine große Reise geplant, und ich feiere nur meinen 23.Geburtstag, eine eher unspektakuläres Datum. Vielleicht gibt es ja eine Überraschung.

Irgendwie freue ich mich, wenn dieser ganze Jahresendzeitspuk vorbei ist und man sich dran gewöhnt hat, Briefe mit ’08 zu datieren. Was mir bestimmt bis Ende Januar noch nicht immer gelingt. Die Vorsätze werde ich wohl wie meine Erkältung ins neue Jahr schleppen und sie dann auch wieder loswerden.

Und du, Elena, was nimmst du dir vor?

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