Wir müssen reden (2) : Das übliche Pärchen-Poker

Wie gewinnst du jemanden zurück? Das fragte Ric Graf letzten Freitag – Elena Senft antwortet ihm heute

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Elena Senft schreibt im Wechsel mit Ric Graf.Foto: privat

Ich hatte mich aufgebrezelt. Viel mehr, als es für gewöhnlich meine Art war. Und etwas weniger, als dass es hätte zu auffällig wirken können. Es war von langer Hand geplant. Denn es galt, einen Mann zurückzugewinnen, präziser gesagt, einen schmuddeligen Jungen mit Pali-Tuch und Dreadlocks bis zum Arsch. Ich hatte mich angeblich verwählt und dann angeboten, einfach mal wieder spontan vorbeizukommen. Ich sei sowieso in der Nähe. Monate zuvor hatte er mich sitzen lassen, ohne dass es für mich überhaupt schon richtig angefangen hatte und ohne dass ich den Grund gekannt hätte. Seit dem Tag durfte keiner meiner Freunde seinen Namen auch nur erwähnen, wenn er nicht im Gegenzug bereit war, mir noch ein Bier zu bestellen und mir danach in einer Karaoke-Bar ohne zu lachen zuzuhören, wie ich „unchained melody“ aus dem Film „Ghost“ singe.
Er kochte Kaffee und ich erzählte ohne Nachtragen oder Beleidigtsein, dafür mit Souveränität und unverbindlicher Herzlichkeit von den wahnsinnig interessanten Sachen, die ich in der letzten Zeit erlebt hatte. Ich rauchte Zigaretten wie Marlene Dietrich, obwohl ich nicht mal Raucher war. Er fragte, ob ich sauer sei wegen damals. In einem klugen Schachzug sagte ich Nein und dass er damals recht gehabt habe. Das sei mir übrigens schnell klar geworden. Ich machte das „Mein Gott, was waren wir Kinder“-Gesicht. Beim Abschied ließ der Junge mit dem Pali-Tuch meine Hand nur zögernd los. Vielleicht habe er damals einen Fehler gemacht. „Vielleicht“, hauchte ich und ging. Auf der Straße war ich glücklich. Am Abend war mir übel, weil ich Nichtraucher war. Zwei Wochen später war ich furchtbar genervt von dem Jungen mit dem Pali-Tuch. Es war schwer, ihn wieder loszuwerden.

Ric, wie merkst du, dass du jemanden einfach nicht mehr magst?

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