Wir müssen REDEN (20) : Lecker Götterspeise

Wann kamst du dir zuletzt blöd vor? Das fragte Elena Senft vorige Woche. Heute antwortet ihr Ric Graf.

196900_0_a5af5795
Der perfekte Schwiegersohn. Ric Graf liest ständig Bücher über Nepal und steht total auf Kerzen.Foto: privat

Blöd komme ich mir oft vor: bei Notlügen, wenn ich in einem Café mal wieder etwas umschmeiße, wenn ich Trash im TV schaue, wenn ich Geburtstage vergesse, wenn mein Konto schon zur Hälfte des Monats leer ist, wenn mich Leute innig begrüßen und ich ihre Namen nicht mehr weiß. Ich glaube, dass mein Leben eine Aneinanderreihung von Blödfühlereignissen ist.

Prädestiniert für das absolute Blödheitsgefühl sind allerdings erste Dates. Vor einiger Zeit traf ich ein Mädchen, Sarah. Wir lernten uns bei einem Essen von einem Freund kennen, tauschten – wie es sich so gehört – unsere Mail-Adressen aus und schrieben hin und her. Dann kam es kurze Zeit später zu einem Treffen: Wir hatten uns im Schöneberger „Café M“ verabredet. Die Sonne schien, wir saßen an der Goltzstraße, tranken Kaffee und hatten von Beginn an keine peinlichen Schweigeminuten, die man mit wildem Kaffeeumrühren zu überspielen versucht. Wir redeten und redeten, lachten, flirteten und mochten uns. Bis wir auf ihr Auslandsjahr in Nepal zu sprechen kamen. Ihre Augen funkelten, als sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen erzählte und über Hindus sprach.

„Kennst du dich damit aus?“ – „Ja, klar!“, entgegnete ich in geistiger Umnachtung. Das Gespräch wurde immer theoretischer und ich nickte nur noch dumm, lächelte und versuchte mit den merkwürdigsten Nachfragen und Aussagen mein nicht vorhandenes Wissen zu überspielen. Es endete im Desaster: „Kennst du Ganesha?“ fragte sie mich. „Klar, das habe ich mal bei einem Nepalesen gegessen.“ Sie lachte laut auf. Ich fragte, was denn sei. Sie meinte nur abfällig: „Ach, nichts“. Dann redeten wir wieder über Bekannte, die wir zufälligerweise beide kennen. Zu Hause googelte ich Ganesha. Es ist der hinduistische Glücksgott. Ich las dann viel über Nepal und den Hinduismus. Angerufen habe ich sie aber nicht mehr. Sie mich auch nicht.

Elena, hast du Fernweh?

Nächsten Freitag antwortet Elena Senft wieder an dieser Stelle.

0 Kommentare

Neuester Kommentar