Wir müssen REDEN (22) : „Alaaf you all!“

Was machst du gegen Einsamkeit? Das fragte Ric Graf vorigen Freitag. Heute antwortet Elena Senft

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Hoch das Gläsken. Elena, sichtlich gut drauf, hat sich in Köln rumgetrieben.Foto: Mmh, wer hat eigentlich das Foto geschossen?

Einsamkeit kündigt sich meist nicht lange vorher an, sie steht plötzlich und unerwartet auf der Matte. Ein äußerst unangenehmer Gast, dem man aber zum Glück nicht hilflos ausgeliefert ist. Jetzt sind Eigeninitiative und vor allem sehr schnelles Handeln gefragt. Manchmal reicht dann schon eine Frühstücksverabredung mit einer Freundin, wenn die nicht sofort verfügbar ist, muss man für das eigene Seelenheil aber auch zu etwas mehr bereit sein.

Einsamkeitsbewältigung für Fortgeschrittene bot mir in dieser Woche ein Anruf bei befreundeten besoffenen Rheinländern, der anschließende Kauf eines Zugtickets nach Köln, eine schwarze Perücke, ein Charleston-Kleid und ein paar Kneipen. Dazu Schunkellieder, deren Texte man eigentlich nicht versteht und im Zweifelsfall einfach abwechselnd „Alaaf“, „Kölle“ oder „Veedel“ grölt und damit meist auf der textsicheren Seite steht.

Und dazu kommt: alle sind unheimlich fröhlich und Single. Na ja, oder es interessiert halt keinen, ob sie es wirklich sind. Innerhalb von zwei Stunden habe ich mit der gesamten Kneipe Brüderschaft getrunken und bin ganz sicher, dass das wahre Freunde sind. Alle. Ja, auch der Typ im unvorteilhaften Kuh-Einteiler, der mich gefragt hat, ob ich mal sein Euter anfassen will. Zum Glück muss ich nicht antworten, weil ich mich sofort in die nächste vorbeitorkelnde Polonäse einreihe, die Kuh auf der Toilette verschwindet und sich danach bestimmt schon gar nicht mehr an mich erinnert.

Nur ein sehr oberflächliches und daher langfristig ungeeignetes Ablenkungsmanöver gegen Einsamkeit? Lauter verklemmte Menschen, die einmal im Jahr hinter der Anonymität von Perücken und Kuh-Masken aus sich herauskommen und entfesselt den Beweis antreten, dass auch lächerlich kleine Biere irgendwann betrunken machen? Und wenn schon, Ablenkung ist Ablenkung!

Am nächsten Morgen wache ich im Gästebett auf, entdecke neben mir einen schwarzen Haarschopf und erschrecke mich. Dann doch lieber Einsamkeit anstatt ein verklemmtes Frühstücksgespräch mit einer Person, an die ich mich im Moment beim besten Willen nicht erinnern kann. Ich nähere mich vorsichtig und bin sehr glücklich als ich bemerke, dass es nur meine Perücke ist.

Ric, hattest du mal einen One-Night-Stand?

Ric Graf antwortet an dieser Stelle am nächsten Freitag.

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