Wir müssen reden (25) : Nie wieder Clubs!

Musstest du mal komplett umdenken? Das fragte Elena Senft vorigen Freitag. Heute antwortet ihr Ric Graf.

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Allein daheim. Ric Craf (mit Bier und Blume) schreibt im Wechsel mit Elena Senft.Foto: privat

Ich gehöre zu denjenigen, die keinen Handyvertrag haben, sondern immer (je nach finanzieller Situation) ihr Guthaben aufladen. Das passiert eher unregelmäßig. Habe ich dann Geld auf dem Handy, ist es auch ganz schnell wieder wegtelefoniert. Noch stärker fallen dabei die vielen SMS, die ich dann wie ein Wahnsinniger verschicke, ins Gewicht. Ich nutze dieses Kommunikationsmittel als modernes Lebenszeichen: „Hallo, mich gibt es noch!“

Ein Freund von mir reagierte prompt auf so eine Ich-wollte-mal-fragen- wie-es-dir-so-geht-SMS. Er schrieb letzten Freitag, als ich bei einem Freund zu Hause saß, kurz und knapp: „Komm wir gehen heute feiern!“ Ich rief R. an und wir verabredeten uns.

Nach ein paar Drinks in einer Bar am Mehringdamm fuhren wir auf eine kleine WG-Party im Friedrichshain. Die Leute rauchten Selbstgedrehte, sprachen über indische Gurus, tranken Sternburgbier und hörten den Bayern-Hippie Hans Söllner. Okay, kann man alles mal machen. Aber 30-jährige Kiffer hielten wir dann doch nur bedingt aus. Also gingen wir in einen Club.

Der Elektro-Sound war nach unserem Geschmack, die Leute redeten nicht mehr über Yoga und Trips nach Indien – sie ließen uns in Ruhe. Wir standen an der Bar und tranken ritualisiert unseren Drink und schauten uns die Leute an. Irgendwann ging ich auf Toilette, ein Mädchen sprach mich an und erzählte mir plötzlich – und ohne dass ich sie jemals zuvor gesehen habe – von ihrem Ex-Freund. Sie war betrunken und steigerte sich immer mehr in das Thema rein. Als ich ihr freundlich zu verstehen gab, dass mich das gerade mal nicht interessiert, schüttete sie mir aus dem Nichts ihr Bier ins Gesicht. Ich ging zurück zu R., zurück an die Bar. Doch der Club-Horror-Trip ging weiter: R. hatte gerade sein Bier angesetzt, als ein wild Tanzender gegen seinen Ellenbogen rannte und R. drei Zähne ausschlug. Innerhalb von einer Minute war alles voller Blut, wir riefen einen Krankenwagen. Schöner Abend.

Im Krankenhaus warteten wir drei Stunden und ich dachte nur: Nie wieder Clubs! Ich meinte das ernst, war genervt von den immergleichen Partys und von tanzenden Zähneausschlägern. Aber das Umdenken hielt nur bis heute. Ein Freund schickte mir gerade eine SMS. Meine Macke: Ich bin nicht konsequent.



Elena, hast du irgendeine Macke?

Nächsten Freitag antwortet Elena Senft wieder an dieser Stelle.

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