Wir müssen reden (28) : Wärme? Flasche!

Elena, bist du eine Warmduscherin? Das fragte Ric Graf in dieser Kolumne. Heute antwortet wieder Elena Senft.

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Elene Senft friert derzeit, schreibt aber trotzdem tapfer im Wechsel mit Ric GrafFoto: promo

Seit Mittwoch bin ich kein Warmduscher mehr. Auch kein „Brötchen-über-der- Spüle-Aufschneider“, kein „Balkonraucher“ und kein „Handy-in-der-Vorlesung-Ausschalter“, Begriffe, die nach intensiver Internetrecherche als Synonyme des Begriffs „Warmduscher“ gelten.

Dass ich kein Warmduscher im wörtlichen Sinn bin, liegt daran, dass ich seit Mittwoch eiskalt dusche, seit dem Tag, an dem sich die Flamme in meiner Gastherme mit einem kleinen Zischen verabschiedete. Dass ich auch im übertragenen Sinn kein Warmduscher bin, sieht man an meinem coolen Umgang mit dieser Situation. Ich lamentiere nicht, ich heule nicht, sondern ich ziehe drei Pullover übereinander, setze eine Mütze auf und trage eine Wärmflasche am Mann. Ich lebe meinen Alltag einfach weiter, der Installateur zeigte am Telefon machohafte Allüren und möchte sein dringendes Erscheinen in meiner Wohnung zeitlich nicht eingrenzen. Vielleicht kommt er heute, vielleicht auch erst nächste Woche.

Ich mache mich nicht von ihm abhängig, telefoniere ihm nicht bettelnd hinterher, ich halte durch und tue so, als sei nichts. Nur manchmal gehe ich auf die Straße, um mich aufzuwärmen.

Jeder Mann wäre an meiner Stelle schon wahnsinnig und wehleidig, hätte eine Reisetasche gepackt und säße jetzt bereits schniefend und mitleidheischend bei seiner Mutter und würde sich mit kalten Händen an einer Schüssel Kraftbouillon festhalten. Ich hingegen packe meinen Werkzeugkasten aus und schraube eigenhändig an der maroden, alten Gastherme herum. Ihr Zustand hat sich dadurch zwar nicht verbessert, aber ich trage dafür ein wärmendes „Selbst ist die Frau“-Gefühl in mir. Dieses Gefühl wurde durch die Tatsache verstärkt, dass alle männlichen Freunde, denen ich am Telefon erzählte, dass ich gerade mit gezücktem Schraubenzieher vor einer Gastherme stehe, nahezu panisch reagiert haben.

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum man bei Google zum Suchbegriff „Warmduscherin“ 1300 Einträge, zum Suchbegriff „Warmduscher“ hingegen 242000 Einträge findet. Denn das klassische Warmduschertum ist ein männliches Phänomen. Klar maulen Mädchen über kalte Füße oder wollen plötzlich nicht mehr mit auf die Party, weil sie sich ganz plötzlich viel zu dick fühlen, aber der klassische Warmduscher ist ein Junge. Das weiß jedes Mädchen, das schon mal einen leidenden Freund mit leichter Erkältung oder Bauchzwicken zu Hause ertragen musste. Wer war nicht schon mal plötzlich befremdet, wenn die Schwiegermutter in spe nach dem ersten Zusammentreffen plötzlich mit besorgter Miene vor einem steht und sagt: „Passt du auch bitte ein bisschen auf, dass der Stefan einen Schal anzieht?“

Meine Mutter würde das nie über mich sagen, weil sie mir zutraut, dass ich mich den Temperaturen entsprechend kleide. Und wenn sie mich jetzt sehen würde, in meiner eiskalten Wohnung, wie ich ohne Klagen und mit dicker Kleidung den Temperaturen trotze, wäre sie stolz. Wäre ich ein Junge, würde sie schon die Suppe aufwärmen.

Ric, möchtest du die Eltern deiner Freundin kennenlernen?

Elena Senft schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Ric Graf.

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