Wir müssen REDEN (34) : Über den Dächern schweben

Wer ist dein Vorbild? Das fragte Elena Senft vorigen Freitag. Heute antwortet wieder Ric Graf.

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Klettermaxe. Spiderman war früher sein Vorbild. Aber nur kurz dann wurde er von etlichen anderen abgelöst. Und heute?Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Oh, ich hatte viele Helden und Vorbilder. Das fing richtig früh an. Als Kind war ich totaler Sesamstraßen-Fan. Im Kindergarten lief ich mit einer Kicher-Ernie-Puppe rum, die man, wenn man sie an den Seiten anfasste, zum Kichern brachte. Ich war begeistert.

Irgendwann war mir Ernie nicht subversiv genug und ich wurde Jünger des Krümelmonsters und tauschte die Puppe gegen ein Krümelmonster-Shirt und rannte immer durch den Kindergarten und kreischte „Kekse! Kekse her!“.

Mit fünf oder sechs war die Sesamstraßenzeit auch vorbei und ich sah mich nach mutigeren und kräftigeren Helden um: Ab dann waren Batman und Spiderman total angesagt. Ich hatte einen Batman-Umhang, Spielfiguren vom Flohmarkt und ich wollte so gerne von Haus zu Haus und über die Dächer Berlins hüpfen wie Spiderman, um die Menschheit vor dem Bösen zu schützen. Da ich aber nie zum Einsatz kam, sondern meine Vorbilder ihren Job mit Bravour in den Comicheften erledigten, sah ich mich nach neuen Idolen um, ich wusste Batman und Spiderman würden ihren Job gut machen. Ersatz war schwer zu finden: Die Ghostbusters waren mir zu spleenig, Superman zu geleckt und so hing ich mit sieben oder acht zwischen den Helden meiner Kindheit und den noch nicht gefundenen Vorbildern meiner frühen Jugend. Mit zehn wollten wir Jungs so sein wie die von der Pop-Band Caught In The Act oder den Backstreet Boys. In die verliebten sich schließlich alle Mädchen. Dann kam die vorpubertäre Phase, in der ich Hendrix vergötterte, Gandhi verehrte und die Reden des Buddha las, dann mit 13 oder 14 waren die Älteren meine Helden, die ich feiernd auf den Partys sah, dann wurden Musiker zum meinem Vorbild: The Rolling Stones und The Kinks. Später wurden es The Libtertines und Pete Doherty.

Aber richtige Vorbilder habe ich nicht mehr. Ich versuche bei mir zu bleiben, denn irgendwann kapiert man: Keiner ist perfekt. Noch nicht mal Spiderman. Wobei ich immer noch gerne von Dach zu Dach schwingen würde. Die Zeit ist vorbei. Aber ich war glücklich, Vorbilder gehabt zu haben.

Elena, wann bist du glücklich?

Nächsten Freitag antwortet Elena Senft wieder an dieser Stelle.

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