Wir müssen REDEN (37) : Wut und Burger im Bauch

Was macht dich richtig wütend? Das fragte Ric Graf vorigen Freitag. Elena Senft antwortet ihm heute.

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Burger machen wütend? Elena Senft schreibt im Wechsel mit Ric GrafFoto: privat

Wütend machen in erster Linie natürlich Menschen, die heimlich Altpapier in ihrer normalen Haushaltsmülltüte unter Bananenschalen, benutzten Wattepads und anderem Unrat verstecken, weil sie keine Lust haben, ihren Papiermüll wegzubringen. Dann Menschen, die jede Strecke, die länger als ihr eigenes Auto ist, mit dem eigenen Auto zurücklegen. Außerdem Menschen, die bei H & M kleine Sommeroberteilchen für 4,90 Euro kaufen, die in Bangladesch produziert wurden und zu guter Letzt Menschen, die Eier aus Legebatterien kaufen oder zu McDonald’s gehen, das ja angeblich den Regenwald zerstört. All diese Dinge mache ich leider auch manchmal. Oft auch ohne Wut auf mich selbst.

Denn oft sind es ja Kleinigkeiten, die einen viel wütender machen als wirklich wichtige Dinge. Ich bin zum Beispiel einmal in die Wohnung eines Exfreundes gekommen. Dort fand ich ihn auf dem Fußboden sitzend vor, wo er gerade mit einem mir völlig unbekannten teuflischen Gesichtsausdruck die aufwändige Verkabelung seines Computers löste, um ebendiesen aus dem Fenster zu werfen. Er hatte in einem Geschicklichkeitsspiel immer wieder verloren. Als ich ihn einige Jahre zuvor bei einer Demo gegen französische Atomtests im Mururoa-Atoll getroffen hatte, sah er lange nicht so wütend aus. Wäre ich nicht in dieser Sekunde in seine Wohnung gekommen, hätte es ein Unglück gegeben. Aber ich habe ihn verstanden.

Neulich war ich mit Freunden im „Dr. Pong“ in der Eberswalder Straße. Das ist ein Club, in dem es einen DJ gibt und eine Tischtennisplatte. An der wird Rundlauf gespielt und wer einen Ball verschießt, scheidet aus. Das geht so lange, bis einer gewonnen hat und dann geht es wieder von vorne los. Viele der Mitspieler denken, sie hätten sich an diese Regelung nicht zu halten. Es sei ja schließlich nur ein Spiel. Sie verschießen also Bälle und bleiben anschließend einfach drin! Und da finde ich es mehr als berechtigt, dass Freundin M. vor Wut irgendwann fast die Tischtennisplatte zertrümmert und die sich regelwidrig verhaltenden Mitspieler zum Teil unter Androhung körperlicher Gewalt an den verdienten Spielfeldrand bugsiert hat.

Am nächsten Tag hatte sie einen Kater und wir sind mit dem Auto zu McDonald’s gefahren.

Ric, was war deine größte Sünde?

Nächsten Freitag antwortet Ric Graf wieder an dieser Stelle.

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