Wir müssen REDEN (40) : Versauter König

Hast du es dir mit jemandem mal versaut? Das fragte Elena Senft vorigen Freitag. Ric Graf antwortet ihr heute.

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Einen in der Krone. Ric Graf schreibt im Wechsel mit Elena Senft.Foto: Mike Wolff

Menschliche Beziehungen sind ein verdammter schmaler Grat, und es jemandem nicht recht zu machen, ist das Einfachste der Welt.

Der Erste, mit dem ich es mir versaut habe, war Niklas aus meinem Kindergarten. Mein erster richtiger Streit war ungeheuer fundamental und einschneidend und brachte mich schlagartig zum Weinen: Wir stritten um zwei Matchboxautos. Noch heute sehe ich diesen tollen orangenen Bus vor mir, den ich unbedingt haben wollte. Niklas wollte wiederum meinen Sheriff-Wagen. Da wir mit knapp vier Jahren noch nicht ans Tauschen dachten, stritten wir einen ganzen Tag um diese blöden kleinen Spielzeugautos. Unsere Freundschaft ging endgültig den Bach hinunter, als wir um die letzte Königsrolle beim Krippenspiel zu Weihnachten stritten. Ich bekam sie, und Niklas redete ab dann nicht mehr mit mir.

Darüber kann ich heute lachen. Schlimm wird es allerdings, wenn es um wirklich persönliche Themen geht: Mein Freund K. glaubte vorletzten Sommer beispielsweise, ich würde seine Liebschaft anbaggern wollen. Ich versicherte ihm, dass es überhaupt nicht mein Interesse sei, ihm wen auch immer auszuspannen. Er glaubte mir nicht, und das Ganze ging dann so weit, dass er aufstand und abhaute, sobald ich in einer Kneipe zu meinen Kumpels dazustieß. Als er mit ihr zusammenkam, kapierte er, dass er in seiner „Ich-kriege-sie-nicht“-Hysterie wohl überdramatisierte. Aber genau da sind wir schon beim entscheidenden Punkt: In einer Freundschaft sollte man es sich nicht so schnell „versauen können“. Ein Sparkassen-Angestellter kann es sich mit mir versauen, wenn er mich mit arrogantem Blick für „banktechnisch gesehen Kleinvieh“ hält, aber Freunde können es sich nicht so leicht mit mir verscherzen. Dafür kenne ich sie zu gut. Und ich hoffe, mir wird auch nicht jede Kleinigkeit übel genommen.

Es gibt aber eine Ausnahme: J. mobbte mich in der Schule so sehr, von heute auf morgen, ohne Grund, ohne Anlass. Er mied mich, sprach kein Wort mehr und bis heute weiß ich nicht, warum. Irgendwann wollte er wieder Kontakt, konnte mir aber nicht erklären, was passiert war. Er hatte es sich versaut. Das ist mies: Wenn man Abschied nehmen muss, es einfach vorbei ist – und das, ohne genau zu wissen, wieso.

Elena, welcher Abschied tat dir richtig weh?

Nächsten Freitag antwortet Elena Senft wieder an dieser Stelle.

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