Wir müssen REDEN (42) : Pack’ den Ranzen

Warst du ein braver Schüler? Das fragte Elena Senft vorigen Freitag. Heute antwortet ihr Ric Graf.

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Nie wieder Schule. Oder doch nicht? Ric Graf schreibt im Wechsel mit Elena Senft.Foto: Max Stuttmann

Die Nacht war heiß und ich konnte sowieso schon sehr schlecht einschlafen, wälzte mich die halbe Nacht im Bett, schwitzte und hatte das Gefühl die Berliner Nachtluft würde stehen und mich erdrücken.

Und dann, als ich endlich schlief, kam noch dieser Traum dazu: Ich sah mich vor einer Prüfungskomission gleich aussehender grauhaariger Pädagogen, die mich musterten, immer wieder musterten und ich stand zitternd vor ihnen und wartete auf ihr Urteil. Irgendwann sagte einer der Lehrer: „Herr Graf, leider haben sie das Abitur nicht bestanden. Sie müssen nochmal schreiben, wenn wir sie lassen.“ Es folgte eine Pause, ganz böse Minuten des Schweigens. Dann sagte ein anderer Pauker: „Wir lassen sie aber nicht. Sie sind raus, sie werden kein Abitur schaffen.“

Ich wachte auf, war schweißgebadet, fühlte mich ranzig. Und dann beruhigte ich mich: Ich wusste natürlich, dass ich dieses Abitur schon geschafft hatte. Dieser Traum verfolgt mich, genauso wie der, dass ich verschlafen habe und schon längst in der Schule sein müsste. Ich habe nun seit vier Jahren dieses Abiturzeugnis in der Tasche, aber noch immer, träume ich von dem Schulzirkus, als ob ich für mein Leben lang schultraumatisiert wäre.

Aber eigentlich mochte ich die Schule: Man traf Freunde, ohne für viel Geld ins Café gehen zu müssen, hatte lustige Stunden, in denen man das Paarungsverhalten von Erdwespen diskutierte. Ich weiß nicht, woher die späte Angst kommt?

Brav war ich schon, manchmal auch nicht. Wir haben unseren Lehrern Streiche gespielt, ich habe mal geschwänzt. Andererseits hatte ich keine großartigen Probleme in der Schule: Wenn ich nicht träume, erinnere ich mich sogar gerne an die Zeit zurück und denke dann, wie einfach das doch alles war. Das ist natürlich absoluter Quatsch, denn damals wünschte ich mich nur raus aus dem grauen Schulgebäude. Und als ich draußen war, wollte ich manchmal schon gerne wieder anklopfen und die wohlbehütete und warme, aber nervige Stube zurückkehren.

Aber das ist eine sinnlose Sehnsucht: Ich muss mich halt dem Leben stellen und die Angst hinter mir lassen. Und durch’s Abitur kann ich glücklicherweise nicht mehr fallen. Also, Träume lasst mich in Ruhe!

Elena, was macht dir Angst?

Nächsten Freitag antwortet wieder Elena Senft an dieser Stelle.

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