Wir müssen REDEN (5) : Handy an Handy aus

Wie sieht deine Telefontaktik aus? Das fragte Elena Senft vergangene Woche - Ric Graf antwortet heute

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Ric Graf schreibt im Wechsel mit Elena Senft.Foto: Kai-Uwe Heinrich / Tagesspiegel

Wir sind Täter und Opfer. Oft treibt uns eine ständige Panik um: das Gefühl, man habe keine Freunde mehr. Und die Angst vor der Einsamkeit. Unser Telefon-, primär Handyverhalten ist mit das Merkwürdigste für die Spezies des modernen, jungen Großstadtmenschen. Ständig wartet man auf eine SMS, die einem den Samstagabend rettet. Laufend fragt man sich, warum bei einem eigentlich so selten das Telefon klingelt. Und gerade das Handy. Da ist man Opfer der modernen Kommunikation.

Noch schlimmer wird es allerdings, wenn es um Beziehungen geht. Hier wird der moderne, junge Großstädter schnell zum Täter. Beispiel: Sie sagt: „Ich möchte heute Abend allein sein.“ Ich denke dann, sie will angerufen werden. Ok. Das mache ich dann auch, weil ich sie vielleicht wirklich sprechen und auch sehen will. Ich frage mich, warum sie mich nicht sehen will und vermute sofort dahinter ein Spiel: um Macht, Selbstständigkeit. Alles Trickserei! Das gehört zum Freiheitskampf in jeder Beziehung. Ich rufe sie dann abends an. Sie ist glücklich. Das merke ich. Dann frage ich: „Kann ich nicht doch vorbeikommen!“ – „Nein, ich hatte dir doch gesagt, dass ich mal alleine sein will. Außerdem treffe ich mich vielleicht mit einer Freundin.“ – „Aha. Ach, so ist das. Na gut, wenn du meinst.“

Mehr Gestammel kriege ich dann meistens nicht heraus. Meine Stimmlage wird gereizter, missgünstiger. Dann: „Leider habe ich in den nächsten Tagen nicht wirklich Zeit. Ist es okay, wenn wir uns nach dem Wochenende sehen.“ Jetzt wird sie schlecht gelaunt. „Wie, warum hast du denn die nächsten Tage keine Zeit?“. Ich dann wieder: „Ich muss arbeiten, treffe ein paar Freunde.“ Jetzt der ewig-alte Trick: „…und eine alte Freundin ist zu Besuch.“ Blödes Rumgerede. „Ach komm doch später vorbei.“ Sagt sie. Die Strategie ist aufgegangen. Eifersüchtig machen, hilft immer. Und schon ist man Taktik-Täter.

Elena, bist du eigentlich ein eifersüchtiger Mensch?

Nächste Woche antwortet Elena Senft an dieser Stelle. Diskutiert im Netz mit: www.tagesspiegel.de/werbinich

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