Wir müssen REDEN (53) : Sommer ist nicht alles!

Elena, worauf freust du dich so richtig? Das fragte Ric Graf vorigen Freitag. Elena Senft setzte sich ins Café, blinzelte in die Sonne - und freut sich aufs Erfrieren.

ElenaKalt Foto: privat
Zieht euch warm an. Elena freut sich auf heiße Pullover und Weihnachten. Ein bisschen.Foto: privat


Man braucht immer Dinge, auf die man sich freut. Damit man in schwierigen Phasen, in denen nichts funktionieren will, an etwas Schönes denken kann, was das Doofe bald ablösen wird. Damit man in Phasen, in denen einem das Leben eine Zitrone vorsetzt, zur Abwechslung mal ausnahmsweise nicht um Salz und Tequila bittet, sondern Limonade daraus macht.

Besonders clever und lebensbejahend ist es aber, sich einfach über alles, was passiert, zu freuen. Eigentlich furchtbar, diese Leute, die sogar aus einer Durchfallerkrankung noch etwas Positives ziehen, aber in schwierigen Phasen kann Positivismus helfen. Es ist zwar nicht ganz einfach, aber mit Übung machbar. Und man muss es ja auch mal so sehen: Hätte der Friseur sich an meine Vorgaben gehalten und mir nicht diese schlimme Frisur geschnitten, hätte ich niemals erfahren, ob meine Verabredung am selben Abend mich wirklich mag oder bei einer fiesen Frisur sofort Reißaus nehmen würde. Und: Zum Glück hat meine Freundin F., schon ganz am Ende des Abends, noch diese zwei Schnäpse getrunken, denn sonst würde sie sich heute womöglich daran erinnern, dass ich ihr Handy konfiszieren musste, nachdem sie mehrere pöbelnde SMS an Personen geschickt hatte, die diese überhaupt nicht verdient haben.

Im Moment freue ich mich über den Herbst und auf den Winter. Man darf wieder anfangen sich dicker anzuziehen und Problemzonen unter Pullovern zu verstecken, anstatt den ganzen Tag mit eingezogenem Bauch herumzulaufen. Man kann sich darauf freuen, zum Beispiel mal ein Suppenrezept auszuprobieren. Man kann in Ruhe und ungerügt Geld sparen, weil man nicht jeden Abend in Biergärten sitzen und Menschen treffen muss. Man kann sich mal ausruhen, weil niemand anruft und es einem zum Vorwurf macht, dass man überhaupt ans Telefon gegangen ist, weil man eigentlich überhaupt nicht das Recht hat, sich zu Hause aufzuhalten anstatt draußen zu sein, „bei dem Wetter“!!

Und während man also frierend zu Hause sitzt und sich darüber klar wird, dass es nun wirklich nicht alles ist, leicht bekleidet in der Sonne zu sitzen, kann man auch schon mal langsam mit der Vorfreude auf den nächsten Sommer anfangen. Einfach, oder?

Ric, was redest du dir schön?

Nächsten Freitag antwortet Ric Graf.

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