Wir müssen REDEN (54) : Ein Schiff wird kommen

Was redest du dir schön? Das fragte Elena Senft vorigen Freitag. Ric Graf hat sich verkleidet und antwortet ihr heute.

Rot
Ric sieht Rot. Unser Autor im Partyoutfit.Foto: privat

Kostümpartys sind nicht mein Ding, aber letzten Samstag hatte ich zum ersten Mal einen perfekten Abend – in einem Kostüm. Die „Drama“-Bar am Mehringdamm lud zu einer maritimen Party: von Matrosen über Nixen und Piraten war eigentlich alles vertreten, was auch nur im Entferntesten mit den sieben Weltmeeren zu tun hat.

Ich ging als Matrose, kaufte bei einem Schöneberger Deko-Geschäft ohne Rücksicht auf Verluste alles ein, was auch nur weiß-blau leuchtete oder mit einem Anker versehen war. Und ich sah affig aus: Eine Mischung aus einem billigen Popeye und einem etwas in die Jahre gekommenen Ahoibrause-Männchen. Aber der kostenfreie Küstennebel minderte das Peinlichkeitsgefühl bei allen Verkleideten, und so hing ich im Laufe der Nacht am Busen einer Hafendirne und tanzte zu „Beyond The Sea“, Hans-Albers-Schlagern und „Yellow Submarine“.

Das Erwachen am nächsten Tag war erwartbar schwierig, das frisch gekaufte Matrosenoutfit war schmutzig und stank. Einen Hafen für die Nacht hatte ich auch nicht gefunden. Am nächsten Tag kamen dann auch noch diese ganzen peinlichen Bilder: Klatschend zu „Auf der Reeperbahn“ neben einem Piraten zu stehen, verwunderte in der Nacht zuvor keinen, aber mich am Morgen danach. Ich hatte mir den Abend, mein Kostüm und auch Hans Albers schöngeküstennebelt, und am nächsten Tag war der Nebel zwar noch da, aber die rettende Küste in weiter Ferne. Und obwohl man sich auch die peinlichste Party schönreden muss, vermisst man sie am nächsten Tag doch gleich wieder, denn das, was einen erwartet, ist auch nur der triste Alltag: ohne Kostüm und Soundtrack.



Elena
, wie war dein erstes Mal?

Nächsten Freitag antwortet Elena Senft wieder an dieser Stelle.

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