Wir müssen Reden (59) : Meine Lederschuhe von Rolf Eden

Stehst du auf Leder? So lautet die Freitagsfrage von Ric Graf. Elena Senft schaut in ihren Schrank und antwortet ihm heute.

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Schicke Socken. Aber Elenas Schühchen sind auch nicht übel.Foto: privat

Ich habe nicht viel Erfahrung mit Kleidern aus Leder und auch nicht mit Menschen, die aktive Mitglieder der in Berlin florierenden Lederszene sind. Im Alter von etwa neun Jahren besaß ich kurzzeitig eine Lederschirmmütze, mit der ich aussah wie eine billige Klaus-Meine-Kopie. Heute besitze ich – was Lederkleidung betrifft – lediglich eine schwarze Piloten-Trendjacke sowie ein Paar himbeerfarbene Handschuhe. Was nicht bedeutet, dass es in meinem Kleiderschrank kein Leder gibt. Denn in meinen Kleiderschrank integriert, befindet sich: Ein voller Schuhschrank.

Hiermit möchte ich ein Klischee bemühen. Es ist das Klischee von dem Mädchen, das sofort zu Versöhnungen, Höchstleistungen, Versprechungen und allem anderen (außer vielleicht zur Befriedigung eines Lederfetischs) bereit ist, wenn man ihm als Gegenleistung ein Paar neue Schuhe in Aussicht stellt.

Natürlich werden die meisten dieser Schuhe fast nie getragen, was der Punkt ist, an dem die Kritik am ungezügelten Schuheinkauf meist anzusetzen versucht. Die Kritiker haben nicht verstanden, dass es beim Schuhkauf nicht um das Tragen, sondern in erster Linie um das Besitzen der Schuhe geht.

Die Highlights in meinem Schuhschrank sind folgende: Ein Paar weiße Lederstiefeletten mit seitlicher Schnalle, die aussehen, als hätte ich sie von Rolf Eden ausgeliehen. Ein Paar fliederfarbene Kalbslederturnschuhe einer italienischen Nobelmarke, deren Namen ich nicht lesen kann und die halb so viel kosteten wie Italienurlaubs.

Ein Paar beigefarbene Wildlederstiefel mit einem Keilabsatz, der aus dem strohigen Material eines dicken Seemanns-Taus gefertigt wurde. Ein Paar tarnfarbene, spitze Stilettos mit Ornamenten, die aussehen wie militärische Abzeichen, die einfach schlichtweg unmöglich sind, aber dennoch ungebraucht im Schrank auf ihren Auftritt warten, der beispielsweise beim nächsten Karneval kommen könnte, den ich in Sarah-Palin-Verkleidung zu bestreiten gedenke. Schwergewichtiges Gegenstück zu der Lederware im Schrank bieten ein Paar schwarze Peeptoes mit unglaublichen Absätzen, in denen man nur sitzen, nicht laufen kann. Die sind nicht aus Leder, dafür aber aus Lack.

Wenn schon, denn schon.

Ric, hast du einen schlimmen Tick?

Nächsten Freitag antwortet Ric Graf.

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