Wir müssen REDEN (69) : Bleib bloß weg!

Was hat dich verletzt, Elena? Das fragte Ric Graf vorigen Freitag. Elena Senft erinnert sich an einen fiesen zehnjährigen Typen (den sie nie, nie, nie wieder sehen will!) und antwortet ihm heute.

ElenaWeg
Zoooom. Elena Senft ist heute mal schüchternFoto: privat

Ich bin nachtragend und lege jedes Feedback, das kein unmissverständliches Kompliment ist, negativ aus, um dann den Rest meiner Tagesenergie darauf zu verwenden, jemanden zu finden, der etwas ausgesprochen Nettes sagt, um dann sozusagen wieder auf null zu sein.

In der fünften Klasse sagte mal ein Junge zu einem anderen Jungen, welcher diese Information wiederum an mich weitertrug, über mich: „Elena sieht ja von weitem ganz gut aus, aber von Nahem echt scheiße.“ Ich habe diesem Jungen selbstverständlich niemals verziehen und habe dies auch zukünftig nicht vor. Es ist mir egal, ob er erst zehn war. Träfe ich ihn heute auf der Straße, ich würde nicht grüßen. Seine Freundschaftsanfrage bei Facebook habe ich kommentarlos ignoriert, das Profilfoto von ihm ist allerdings echt fies, es scheint, als sei sein Überbiss über die Jahre stärker geworden.

Eine Freundin von mir hat große Füße, machte aber trotzdem die Mode der spitzen, den Fuß optisch verlängernden Schuhe mit. Als sie in spitzem Schuhwerk ein neues Praktikum antrat, schaute ihr Chef an ihr herunter und sagte, nicht jeder sollte jede Mode mitmachen und bei den riesigen Schuhen könne die Firma ja wohl darauf verzichten, ihr BVG-Ticket teilzufinanzieren, denn sie könne bestimmt jede Strecke innerhalb Berlins problemlos zu Fuß zurücklegen. Selbstverständlich zog sie die Schuhe nie wieder an, versäumte aber leider, den Praktikumsmann angesichts seines Outfits zu fragen, wann er denn überhaupt das letzte Mal beschlossen habe, irgendeine Mode mitzumachen.

Ein Freund von mir hat sich mal in eine Barkeeperin verliebt und sich abendelang verschüchtert allein am Tresen der Bar herumgedrückt. Als er im Laufe seines Bardamenstudiums bemerkte, dass sie so oft Jamiroquai-Musik spielte, besorgte er zwei Konzertkarten und schenkte sie ihr. Sie bedankte sich höflich und nahm dann ihre beste Freundin mit. Es ist mehrere Jahre her, der Freund weigert sich trotzdem bis heute, auch nur in die Nähe dieser Bar zu gehen. Nur manchmal, wenn er betrunken auf dem Weg nach Hause ist, macht er einen Schlenker und pinkelt an das Mauerwerk des Eingangs. Er ist immer noch beleidigt. Das Foto zur Kolumne gibt es diesmal aus der Ferne. Zu groß ist die Angst, es könne jemand mir schreiben, von Nahem sähe ich echt scheiße aus.

Meine Frage an dich: Ric, wen lehnst du ab bei StudiVZ?

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