Wir müssen REDEN (70) : Meine frühere Freundin steht auf Pferde

Wen lehnst du ab bei StudiVZ? Das fragte Elena Senft vorigen Freitag. Ric Graf hat sich an den Rechner gesetzt und antwortet ihr heute.

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Wlan, DSL, Hdgdl. Ric Graf verzweifelt im Netz. -Foto: privat

In der 8. Klasse sah meine Welt noch anders aus: Ich hatte weder Handy noch Fax, was schon damals fast altmodisch war, noch verfügte ich über ein Modem für das Internet, W-Lan oder DSL. Trotzdem funktionierte alles. Und die Leute waren genauso spannend wie heute.

In der Rückblende sieht vieles nett aus. Am letzten Wochenende bemerkte ich wieder mal, wie sehr diese Erinnerung ein bloßes Gefühl für einen Moment im Leben war: Eine Verabredung zu Beginn der Woche mit einem Freund, den ich in der 8. Klasse schon kannte, war nicht möglich. Anders als früher. Als wir uns kennenlernten, klärten wir Montag, dass wir am Freitag in der Disko Mädchen knutschen gehen. Heute läuft es so: „Wir müssen uns sehen.“ – „Ja, definitiv. Freitagabend im Weekend.“ – „Klingt super“. Freitagabend kommt dann: „Heute geht es nicht, sorry.“ Und das alles per SMS.

StudiVZ gab es damals nicht, und dennoch war das Leben genauso einfach oder kompliziert. Die Erfindung von Communities vereinfacht den virtuellen Kontakt, aber erschwert den wahrhaftigen. Die Distanz wird größer: Man telefoniert nicht mehr, man trifft sich seltener, aber dafür gruschelt man sich. In einer individualisierten Welt ist es gar nicht schlecht, ab und zu gegruschelt zu werden.

Vor einigen Tagen stolperte ich über das Profil eines Mädchens. Sie besuchte mit mir die Grundschule, lebt mittlerweile in Hannover – und ist mit meinem besten Grundschulfreund zusammen. „Wow“, dachte ich. Ich mochte sie damals, aber ihre neuen Freunde zeigten mir, dass sie nicht mehr das Mädchen von früher war: Die Fotos rochen nach Spieß und Muff, die Gruppen standen für Langeweile (Pferdefreunde, Gokart-Nachmittage – all das fand sich wieder).

Gleichzeitig hatte ich Kontakt mit einem Jungen aus Köln, den ich nur von StudiVZ kannte. Er ist in Gruppen wie „Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig“. Sehr sympathisch. Wir mögen dieselbe Musik, interessieren uns für dieselben Bücher. Wen ich bei StudiVZ nicht annehme: Leute, bei denen am Ende die Enttäuschung größer ist, weil die Erinnerung gestört wird. Alte Freunde eben, deren Profil sagt: Früher haben wir telefoniert, heute bleibt uns das Gruscheln.

Meine Frage an dich: Elena, wofür fehlt dir Geld?

Nächsten Freitag antwortet Elena Senft.

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