Wir müssen REDEN (71) : Für eine Lederjacke reicht’s allemal

Wofür fehlt dir Geld? Das fragte Ric Graf vorigen Freitag. Elena Senft antwortet ihm heute.

Elena
Schicket Jäckchen. Elena hat sich in Schale geworfen. -Foto: privat

Eigentlich fehlt mir immer Geld. Damit habe ich mich allerdings resigniert abgefunden. Und weil es fast all meinen Freunden genauso geht, rede ich das Problem klein, lüge mir in die eigene Tasche, und minus 300 Euro sind das, was für andere plus 300 Euro sind. Das klingt nach weiblicher Koketterie, ist es aber leider nicht.

Peter Zwegat, der Schuldnerberater der RTL-Sendung „Raus aus den Schulden“, gab vor einiger Zeit einer verschuldeten Familie einen Rat: „Gucken Sie beim Einkauf immer, ob Sie etwas wirklich brauchen oder nicht.“ Das nahm ich mir zu Herzen. Am nächsten Tag wollte ich in einem Drogeriemarkt Wattepads kaufen und schaffte es, mich davon abzuhalten, einen Nagellack, eine Haarkur und eine neue Handcreme sowie noch einige kleine Produkte aus dem Sortiment der an der Kasse drapierten Quengelware mitzunehmen, wie ich es sonst tue.

Außerdem habe ich die ganze Woche darauf verzichtet, abends Biere trinken zu gehen, und ich hatte keinen einzigen Kaffee zum Mitnehmen. Und obwohl ich als großer Freund proletenhafter Volksfeste natürlich auch in diesem Jahr wieder Karneval in Köln feiern werde, verzichtete ich tapfer auf die Anschaffung eines teuren neuen Kostüms und durfte mich daher am Ende einer entbehrungsreichen Woche über eine satte finanzielle Einsparung freuen. Bis ich am Humana-Laden am Alex vorbeikam.

Ich betrat den Laden mit der naiven Motivation zu schauen, ob ich vielleicht meinen eigenen Nietengürtel, den ich gemeinsam mit einigen Pullovern und Schuhen in die Altkleidersammlung gegeben hatte, dort wiederfinden könnte, um ihn zurückzukaufen und doch zu behalten. Leider fand ich dann diesen unfassbaren Schlangenlederblouson aus den Achtzigern. Eine Ausgeburt von Geschmacklosigkeit. Das war’s dann. Mein neues Karnevalskostüm heißt „80er-Jahre-Braut“ und wird mit einem Jogger oder einer Jeans in Möhrchenform kombiniert sowie mit einer Discopalme auf dem Kopf, einem vorm Bauch geknoteten XXL-T-Shirt, auf dem „Disco“ steht, lila Lidschatten, Metallic-Lippenstift und blauer Mascara. War natürlich nicht ganz billig. Aber eine Lederjacke, sagt man ja, sei eine Anschaffung fürs Leben.

Ric, für welches Jahrzehnt stehst du?

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