Wir müssen reden (77) : Im Galopp zum gekreuzigten Hasen

Wen hast du mal versetzt? Das fragte Ric Graf vor drei Wochen. Elena Senft antwortet ihm heute.

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Gerade was dazwischen gekommen. Unsere Kolumnistin Elena Senft ließ sich schon einige Ausreden einfallen, um Verabredungen...Foto: privat

Ich versetze oft. Das klingt ziemlich kokett, ich weiß. Ich versetze aber nicht, weil ich so busy bin und ein so begehrter Verabredungspartner, sondern weil ich oft (Achtung, noch koketter!) zu nett bin und gute Stimmungen ungern kaputtmache.

Wenn ich auf einer Party mit einer entfernten, entfernten, entfernten Bekannten ins Gespräch komme, verpasse ich nach mehreren gemeinsamen Bieren und der gegenseitigen Versicherung, wie sehr man sich freue, sich mal wieder zu sehen, schon mal den Absprung. Wenn sie dann nämlich fragt, ob ich nicht Lust hätte, nächste Woche auf die guerillamäßig organisierte Ausstellungseröffnung ihrer freien Kunstgruppe zu kommen, wo sie einen ans Kreuz genagelten Hasen ausstellen wird, der gleich neben einer künstlichen Kot-Installation zu finden ist, dann ist es eine Frage des Rückgrats zu sagen: „Nein danke, das Interesse ist begrenzt.“ Dieses Rückgrat habe ich nicht. Ich hätte ja auch wenigstens nur „hmpf“ sagen und mit den Schultern zucken können. Ich sagte aber: „Au ja!“

Wenn es so weit ist, versetze ich solche Verabredungen. Dies geschieht per SMS oder telefonisch, immer aber mit einer möglichst üblen oder keinen Widerspruch duldenden Erklärung. „Ich hatte einen Autounfall“, „ich bin Patentante geworden“ oder – an unkreativen Tagen – „ich kann nicht darüber sprechen“.

Eigentlich arrogant, weil ich mit diesem Verhalten dem Verabredungspartner unterstelle, ein Treffen mit mir sei ihm so wichtig ist, dass er die Wahrheit – keine Lust, was Besseres vor, Geld alle in der Mitte des Monats – nicht verkraften würde. Auf die Idee, dass die Bekannte sich ebenfalls vergaloppiert und sich schon die ganze Woche darüber geärgert hat, dass sie sich auf ihrer Ausstellung um ein blödes, deplatziertes Mädchen kümmern muss, das verstört kichernd vor einem gekreuzigten Hasenexponat steht, kommt man selten.

Ob der Bekannte, der wegen einer angeblichen Familienfeier nicht zu meinem Geburtstag kam, gelogen hat? Und ob die Freundin wirklich plötzlich arbeiten musste und deswegen nicht mit mir „Germany’s Next Topmodel“ gucken konnte? Will man das eigentlich wissen? Nein.


Meine Frage an dich: Ric, guckst du „Germany’s Next Topmodel“?

Nächsten Freitag antwortet Ric Graf wieder an dieser Stelle.

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