Wir müssen REDEN (79) : Wie war noch gleich dein Name?

Welcher Star nervt dich? Das fragte Ric Graf vorigen Freitag. Elena Senft antwortet ihm heute.

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Foto: privat

Es gibt keinen Star, der mich nervt. Gut, höchstens mal Bono von U2, weil er die Welt so wahnsinnig viel besser macht oder Brad Pitt, weil er neben Angelina Jolie so verweichlicht-fad erscheint. Ansonsten nervt mich kein einziger Star und das, obwohl ich mit dem Wort so inflationär umgehe, dass RTL sich von mir noch was abgucken könnte. Nicht mal sehr schlechte Serienschauspieler oder sehr schlechte ehemalige Serienschauspieler nerven mich. Nicht mal dann, wenn ehemalige, sehr schlechte und dazu noch unbekannte Serienschauspieler sich auf einmal Schmuckdesigner nennen und ihr einziges Forum das Promi-Diner ist, der mediale Komposthaufen.

Meine coole Einstellung führt dazu, dass ich mir sämtliche Fernseh-Promisendungen unbeeindruckt und aggressionsfrei anschauen kann und ich es berechtigt finde, dass jemand sich als „Promi“ bezeichnet, dessen einzige Öffentlichkeit darin besteht, bei Sendungen wie „die 100 000 geilsten Ballermann-Hits“ ins Bild zu fahren und Lieder zu kommentieren.

Die Ursache meiner Toleranz liegt in meiner spärlichen, dafür aber ausnahmslos positiven Erfahrung mit Stars. Vor einiger Zeit etwa war ich auf einer Demonstration. Es ging um George W. Bush. Dann kam mir ein junger Mann entgegen. Ich wusste, dass wir uns kennen und bereitete mich innerlich auf ein Gespräch vor, bei dem ich vermitteln musste, dass wir selbstverständlich Bekannte sind und gleichzeitig durch gekonntes Nachfragen unauffällig herausfinden musste, woher denn eigentlich. Der Bekannte war sehr nett. Wir sprachen über die Demo und über das Wetter. Und weil er so nett war, sagte ich irgendwann, dass mir leider sein Name entfallen sei. Er sagte: „Ich bin Paddy Kelly von der Kelly Family. Ich glaube, wir haben uns noch nie persönlich getroffen.“

Ich sagte und machte dann gar nichts mehr. Nicht mal ein Erinnerungsfoto. Eine hilflose Reaktion. Aber verständlich und scheinbar branchenüblich. Und am besten erklärte dies eine Serienschauspielerin, die neulich vor der Kamera gefragt wurde, ob sie denn oft auf der Straße angesprochen werde. Sie erwiderte, es werde zwar viel geglotzt, oft bekämen die Menschen dann jedoch keinen Ton raus. Aber das sei ja ganz klar, sie habe vollstes Verständnis. „Viele haben eben einfach noch nie einen echten Star gesehen.“

Meine Frage an dich: Ric, neigst du zum Größenwahn?

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