Wir müssen REDEN (80) : Eine Taube zum Geburtstag

Neigst du zum Größenwahn? Das fragte vor zwei Wochen Elena Senft. Ric Graf antwortet ihr heute.

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Foto: privat

Ich hatte in der letzten Woche Geburtstag, und das ist ja immer ein guter Anlass, um über sich nachzudenken: Wo steht man, ist man mit sich und seinem Leben zufrieden, was will man? An meinem Geburtstag war ich morgens mit meinem Vater und seiner Freundin frühstücken, danach saß ich zu Hause rum, trank Kaffee, kniffelte mit meiner Mitbewohnerin, trank ein Glas Prosecco und immer wieder zwischendurch kamen diese Gedanken über mich selbst. Vielleicht lag diese besondere Nachdenklichkeit auch an der Zahl: Ich wurde 24. Für mich klingt das langsam richtig erwachsen.

Größenwahnsinnig bin ich nicht, wie auch, es gilt ja als psychische Störung und nicht als Charakterzug. Auch wenn man es umgangssprachlich betrachtet, würde ich klar mit einem „Nein“ antworten. Okay, wer nicht? Ich ließ an meinem Geburtstag die letzten Jahre Revue passieren und plötzlich hatte ich das Gefühl doch etwas reifer, doch etwas nachdenklicher geworden zu sein. Mit 18 war ich viel unüberlegter, viel gefühlsduseliger, ließ mich von meinen Emotionen leiten, und auf der anderen Seite glaubte ich fest daran, dass alles irgendwie immer funktioniert. Mit 24 weiß ich dagegen, dass nichts einfach nur einfach ist, einem nicht alles nur mit Glück passiert und man einfach eine Menge kämpfen muss.

Vor ein paar Jahren war ich definitiv mehr mit mir selbst beschäftigt. Irgendwie drehte sich als Teenager alles um mich. Ich bezog auch alles auf mich. In dieser Zeit sind viele mit sich selbst beschäftigt – vielleicht weil man sich noch nicht so gut kennt?

Heute ist mir vieles wichtig: Meine Beziehung, meine Freunde, mein Vater, meine Arbeit. Noch immer hat das mit mir zu tun, steht in Bezug zu mir. Aber mir bedeutet das viel mehr, weil ich weiß, dass ich nur durch diese vielen Komponenten gut leben kann. Andere Menschen machen mich erst lebendig.

Wie ich nachlesen konnte, steht Größenwahn auch oft in Zusammenhang mit dem Gefühl, auserwählt zu sein. Vor kurzem lief ich bei strahlendem Wetter nachmittags über den leeren Rosa-Luxemburg-Platz, ich hatte einen Kaffee in der Hand, wollte einfach etwas spazieren gehen. Kurz vor der Volksbühne fiel etwas auf meinen Kopf, es machte ein schmatzendes Geräusch, dann hörte ich Vogelgezwitscher. Ich fasste mir durch die Haare und sagte laut: „Oh nein!“ Ich fragte in einem Café, ob ich mich kurz waschen könnte und begann einfach zu lachen. Vielleicht war das ja ein Zeichen?

Meine Frage an dich: Elena, wann hast du mal über dich gelacht?

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