Wir müssen REDEN (9) : Und täglich grüßt der Supermann

Bis du neidisch auf Schulkumpels? Das fragte Elena Senft letztes Mal – Ric Graf antwortet ihr heute

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Ric Graf schreibt im Wechsel mit Elena Senft.Foto: Mike Wolff / Tagesspiegel

Ein Großteil meiner Gespräche findet an Wochenenden in dunklen Bars statt. Am Wochenende war’s auch so. Ich saß mit einem alten Schulfreund in der Bar „Luna 28“ in Schöneberg. Wir redeten über dies und das, alte Freunde und über jenes, was uns in den letzten Jahren so passiert ist.

Wir hatten uns viel zu erzählen, schließlich haben wir uns seit dem Abitur nicht gesehen. Ich sagte gar nicht viel, er dagegen brillierte mit vielen Anekdoten, einem Foto seiner hübschen Freundin, das er aus der Brieftasche zauberte, und mit großen Erfolgen: Studium in England, jetzt Master in den USA, er segelt und hat auch noch nebenbei eine kleine, junge Internetfirma gegründet. Und er liest viel, Philosophisches, und Bars sind ihm oft zu langweilig. So ging das die ganze Nacht.

Ich lief nach dieser Unterhaltung, einigen Drinks und ziemlich vielen Zigaretten durch das nächtliche Schöneberg, durch die Kälte. Und ich dachte darüber nach, ob ich dieses Gefühl von Neid schon einmal spürte. Gerne würde ich sofort sagen: Nein, so ein mieses Empfinden wie Neid kenne ich nicht. Aber, wenn ich ehrlich bin, kenne ich diesen einen Blick, wenn einem die Wunschvorstellung vom Perfekten in einer realen Person gegenübertritt. Ich sah ihn den ganzen Weg nach Hause vor mir, so glücklich lächelnd und zufrieden. Warum klappt das bei mir so nicht? Ich will gar nicht sein Leben, sein Wirtschaftsstudium und auch nicht seine Freundin. Was ich aber will, ist diese verdammte Sicherheit, dieses ausstrahlende Glück.

Zu Hause trank ich ein Bier und redete mir ein: Ich mag diesen Neid nicht und werde auch nie wieder neidisch sein. In dieser Nacht träumte ich davon, das Gefühl für mich und das, was ich vom Leben will, komplett verloren zu haben und ständig an den Boden gedrückt zu werden. Am nächsten Morgen war eben diese Leere und Energielosigkeit da und ich fragte mich, ob ich weiß, was ich überhaupt suche und warum ich manchmal glaube, mich gar nicht zu kennen. Neid war unangebracht, aber ich begriff: Ich muss etwas ändern. Jetzt.

Elena, bist du auf dem richtigen Weg?

Nächste Woche antwortet Elena Senft an diese Stelle.

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