Wir müssen REDEN : Tausche Rad gegen Jacke

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Das fragte Elena Senft vorige Woche. Ric Graf antwortet ihr heute.

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Foto: privat

Mein halbes Leben habe ich gerade verliehen: Bücher, DVDs, zwei Handys, mein Fahrrad und eben auch Klamotten. Meine Lieblingsjacke war bis gestern in den Händen eines Kumpels, der sie mir partout nicht zurückgeben wollte. Vor etwa zwei Monaten hatte ich sie ihm an einem regnerischen Nachmittag, als er mich besuchte, ausgeliehen und bat um baldige Rückgabe. Doch der Freund mochte die Jacke und erzählte mir jedes Mal, wenn ich ihn auf sie ansprach, dass sie ihm viel besser stehen würde. Diese Aussage hätte er sich auch sparen können. Er hatte sie nie an, wenn wir uns trafen, um der Rückgabe aus dem Weg zu gehen.

Seit gestern habe ich meine schwarze Lieblingsjacke zurück und freue mich, sie ist für dieses Wetter perfekt geeignet. Und ich brauche sie: Ich habe nur zwei Sommerjacken.

Ich verleihe gerne – alles andere ist spießig. Aber man verliert schnell den Überblick. Was hat man ausgeliehen? An wen? Und hat man überhaupt noch Kontakt? Einer Ex-Affäre habe ich im letzten Jahr meine beiden Lieblingsbücher ausgeliehen: „Narziss und Goldmund“ und „Giovannis Zimmer“. Doch ich wusste nicht, dass das Ganze zwischen uns so schnell zu Ende gehen würde. Ich warte immer noch auf die Bücher.

Mein Fahrrad habe ich vor kurzem nach einer Party verliehen. Ein guter Freund war zu faul, mit der BVG nach Hause zu fahren und fragte mich nach meinem Rad, da wir gerade in der Nähe meiner Wohnung waren. Ich sagte: „Ja, klar kannst du es haben.“ Wir gingen zu „Curry 36“ Pommes essen, und dort traf ich zufällig den anderen Freund, dem ich vor zwei Monaten meine Jacke geliehen hatte – und in diesem Moment hatte er sie sogar an. Ich bat ihn erneut, sie mir doch bald zurückzugeben, schließlich hätte ich kaum etwas zum Anziehen. Er vertröstete mich wieder.

Mein Freund R., dem ich nach der Party mein Rad geliehen hatte, rief am nächsten Morgen eingeschüchtert an: „Ric, ich weiß nicht, wo ich es hingestellt habe. Ich finde es nicht, oder es ist geklaut.“ Wir haben es nie wieder gefunden. Im Laufe des Nachmittags rief ich den Freund an, der immer noch meine Jacke hatte. Ich sagte einfach nur: „Morgen brauche ich sie!“

Elena, hast du mal was Wichtiges verloren?

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