Werbinich : Wirklich frei fühlen sich nur Kinder

Xenia Strocka[16 Jahre]

Ich habe meine Kindheit als endlose Freiheit in Erinnerung. Ich weiß noch, wie viele Nachmittage ich mit meiner Familie im Britzer Garten verbrachte. Als Erstes nahm ich mir die Pyramide vor und erklomm die Spitze. Kaum war ich wieder hinuntergerutscht, stand ich schon auf der ersten Sprosse des Klettergerüsts. So probierte ich ein Spielgerät nach dem anderen aus. Es stand mir frei, welches das nächste ist. Irgendwann sagte meine Mutter, es sei an der Zeit, nach Hause zu gehen. Erst auf dem Weg wurde mir klar, wie müde ich eigentlich war.

Die Erschöpfung von damals verbinde ich mit der kindlichen Freiheit, sich bis an seine Grenzen auszutoben.

So geht es mir heute nur noch, wenn ich laufen gehe. Dann höre ich den Wind um meine Ohren zischen und es überkommt mich ein Freiheitsgefühl. Die nachfolgende Verausgabung ähnelt der damaligen sehr.

Meine Eltern sehe ich auch manchmal erschöpft. Doch diese Müdigkeit erinnert mich kein bisschen an mein wohliges Gefühl nach einem langen Nachmittag auf dem Spielplatz. Wenn sie von der Arbeit und dem anschließenden Fitnesskurs nach Hause kommen, wirken sie eher ausgelaugt als angenehm matt. Sie haben niemanden, der ihnen sagt, wann es Zeit ist, nach Hause zu gehen.

Erwachsene stehen auf eigenen Beinen und müssen sich nichts mehr von ihren Eltern sagen lassen. Sie haben mehr Freiheiten als Kinder und Jugendliche, doch Kinder sind mit ihren wenigen Freiheiten zufriedener und empfinden sich eher als frei.

Jugendliche haben zwar mehr Freiheiten als Kinder, aber ihnen ist vor allem bewusst, dass sie weniger Freiheiten haben als Erwachsene. So können sie es kaum abwarten, älter zu werden, und fühlen sich unfrei, bis sie endlich erwachsen sind. Erwachsene sehen dann oft nur noch die Verantwortung, die ihre Freiheit mit sich zieht.Xenia Strocka, 16 Jahre

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