World Wide WEG : ich@australien

Foto: privat
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Von:

Julius Wolf

An: werbinich@tagesspiegel.de

Betreff: Berlin – ich komme!

Mein Herz schlägt bis zum Hals. Hoffentlich haben die Leute am Zoll nichts gegen meine Einreisegenehmigung. Drei Extratage hat es mich gekostet, dieses Schreiben zu besorgen und meine Flüge umzubuchen. Der Mann am Schalter lächelt freundlich und winkt mich durch. Erleichterung. Nachdem man mich wegen meines gewaschenen Passes erst nicht ausreisen lassen wollte, bin ich jetzt tatsächlich auf dem Heimweg.

Es geht zurück in den Alltag. Zumindest vorerst, denn ich will ja weiterreisen. Aber nichts überstürzen, noch bin ich nicht an Singapur vorbei, und ich habe immer noch nur diesen zerfledderten Pass und einen Fetzen Papier, der sagt, dass ich nach Deutschland einreisen darf. Kurz bevor wir das Festland verlassen und über Wasser fliegen, geht die Sonne unter. Ein letzter Gruß, good-bye Down Under, ich komm’ bestimmt wieder.

Auch in Singapur bleiben Angst und Sorge um den Pass unbegründet. Das freundliche Bodenpersonal winkt mich lächelnd zu meinem Terminal durch. Die singapurische Sicherheitsbeamtin Marke

Knochenbrecher schaut zwar erst etwas skeptisch auf meinen Pass, strahlt dann aber und zeigt auf den deutschen Adler auf meiner Einreisegenehmigung. Sie ruft mir etwas hinterher, das entweder Singlish war oder „Ik magk Dutslaaad“ heißen sollte. Ich bin begeistert: so viele nette Menschen und noch kein Problem mit dem Pass.

Im Flugzeug nach Frankfurt sitzt einer neben mir, der aus einem schlechten amerikanischen Anti-Taliban-Video stammen könnte. Er ist allerdings sehr freundlich und schon viel in der Welt herumgekommen. Er freut sich zu hören, dass ich auch gerne reisen möchte, und gibt mir Ratschläge. Dabei kippt er einen Rum nach dem anderen. „Nur weil mein Bart länger ist als deiner, heißt das noch lange nicht, dass ich nichts trinken darf“, grinst er. Ich trinke Bier, auch weil der freundliche Taliban irgendwann aufs Klo verschwindet, bleich wiederkommt und etwas von Flughöhe murmelt, bevor er einschläft.

Ich bin gut drauf, bald sehe ich meine Eltern wieder, meine Freunde, meine Stadt. Allerdings erst nach der Landung, von oben sieht man nix, denn Deutschland ist wolkenverhangen, bei 17 Grad. Ich hole den Pullover hervor, den ich für alle Fälle im Handgepäck verstaut habe. Der Beamte am Zoll prüft meine Papiere, muffig. Erst den Pass, immer noch muffig. Dann die Einreisegenehmigung, seine Laune bessert sich nicht. Dann den Personalausweis, muffig. Dann raunzt er mich an: „Na, dann sehen Sie mal zu, wie sie schleunigst an einen neuen Pass kommen! Verstanden?“ Herzlich willkommen in Deutschland …

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