World Wide WEG : ich@australien

Jetzt ist er doch in Berlin gelandet. Aber irgendwie scheint unserem Kolumnisten seine alte Heimat fremd

Julius Wolf
Foto: privat
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Julius Wolf

An: werbinich@tagesspiegel.de

Betreff: Holt! Mich! Hier Raus!

Die wohl häufigste Frage, die ich in den Tagen seit meiner Rückkehr zu hören bekommen habe, lautet: „Wie fühlst du dich, wo du wieder hier bist?“ Ja, wie fühle ich mich eigentlich? Gute Frage. Ich hab den Traveller-Blues. Der Berlin-Hype, den ich zum Ende der Reise aufgebaut habe, die Freude auf die Stadt, ist schnell verschwunden. Die ersten beiden Wochen waren in Ordnung. Meine Mutter und meinen Vater nach so langer Zeit wiederzusehen, war schön! Meine Freunde umarmten mich zur Begrüßung und hörten interessiert meinen Geschichten zu. Ich bin durch Berlin gelaufen, habe Altes und Neues entdeckt. Es gab immer was zu tun, keine Chance auf Langeweile.

Nach der langen Zeit der australischen Hitze hatte ich mich auf richtig eklige,

regnerisch-graue Berlin-Tage gefreut. Warum? Das weiß ich jetzt auch nicht mehr. Ich hab Schnupfen, muss lange Klamotten anziehen und Nässe von oben ist doch nicht so toll, wie ich mir das noch in Australien vorgestellt habe. Dann hänge ich also erst mal nur rum, bin oft bis 16 Uhr im Bett, wenn ich überhaupt aufstehe.

Plötzlich ist er also wieder da, der Alltag. Er fängt an mit Abhängen und folgt mir, wenn ich meine alten Wege durch Berlin laufe. Ich realisiere ihn jeden Tag, der irgendwie wie der andere ist. „Und wie fühlst du dich jetzt?“ Fernkrank vielleicht. Seit das normale Leben mich zurück hat, zieht es mich wieder fort. Zum Glück habe ich mir einen Job organisiert und somit wenigstens die Aussicht auf einen geregelten Tagesablauf. Das ist zwar nicht, was ich will, aber es ist gut für mich, denn es ermöglicht mir, mich auf meine Pläne zu konzentrieren.

Meine Pläne? Weiter reisen. Warum ich so genau weiß, dass ich unbedingt wieder weg will? Warum ich nicht erst mal studieren will, bevor ich mich wieder auf den Weg mache? Ich fühle es. Ich bin unstet. Das Reisen fehlt mir. Neulich saß ich bei Mischa zu Hause, und er stellte genau diese Fragen. Bei ihm im Zimmer hängt eine riesige

Weltkarte. Die habe ich die gesamte Zeit im Auge gehabt, im Auge, wie verdammt klein Australien doch ist, wenn man es mit dem Rest vergleicht. Ich konnte nicht wegschauen, als ich die Länder, Kontinente sah, die ich noch nicht kenne. Bei Bier und süßlichen Rauchschwaden bin ich ins Schwärmen gekommen. Wie wäre es zum Beispiel, mit dem Zug durch Indien zu fahren? Oder auf Kuba, und von dort nach Brasilien. Afrika, Asien, Amerika, Kanada, die Welt ist grenzenlos! Trampe ich, fliege ich, fahre ich Zug? Spare ich Geld, oder geh ich einfach los? Egal für was ich mich entscheide: Ich muss wieder raus hier!

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