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World Wide WEG : ich@australien

14.07.2010 15:24 Uhr
Foto: privatBild vergrößern
Foto: privat

Es sollte seine letzte Nacht in Australien werden. Doch dann verhinderte der Reisepass Julius' Rückflug

Von:

Julius Wolf

An: werbinich@tagesspiegel.de

Betreff: Abflug mit Hindernissen

Ich sitze auf der Terrasse meines Hostels und schaue in den sternenklaren Himmel. Das ist meine letzte Nacht in Australien. Mit mir genießen noch zwei Australier, ein paar Engländer und Deutsche, eine Irin, Franzosen, Japaner und drei Israelis die Nacht. Ein paar trinken Bier, zwei Joints machen die Runde. Ich werde das sehr vermissen. Sieben Nationen sitzen an einem Tisch, trinken, rauchen, reden, lachen. Wir haben immer Gesprächsstoff, weil wir des jeweils anderen Land nicht kennen.

Oder wir tauschen Reisegeschichten aus. Wer war schon an welchem Ort und wo sollte man unbedingt noch hin. So hören mir heute Abend die meisten zu, weil ich der bin, der am längsten hier ist.

Es ist ein Uhr in der Nacht, mein Flugzeug fliegt in fünf Stunden, und ich fühle mich rastlos. Eine Sekunde freue ich mich auf zu Hause, die nächste frage ich mich, was ich da will. Einerseits möchte ich Freunde und Familie wiedersehen, andererseits würde ich gerne gleich weiterreisen. Nach dem letzten Abschied mache ich mich auf den Weg zum Flughafen. Ich laufe zum Bus und ich friere. Es ist kalt wie an meinem ersten Tag in Melbourne, so um die zehn Grad. Zum Glück ist in Deutschland der Winter jetzt endlich vorbei, dann wird die Umstellung nicht so schlimm.

Je näher ich dem Flughafen komme, desto aufgeregter werde ich. Als ich in der Schlange zum Einchecken stehe, rast mein Herz. „Pass, bitte“, schnarrt mich die Frau am Schalter an. Jetzt ist vermutlich die Zeit, zu erwähnen, dass mein Pass vor kurzem unfreiwillig einen Waschgang durchlaufen hat. Der ist ihm nicht bekommen. Das Wesentliche ist zwar noch zu erkennen, aber die beiden Deckklappen sind nicht mehr rot, sondern aufgequollen und zerfleddert. Die Flugbegleiterin und die herbeigerufene Vorgesetzte staunen. „Was ist denn das?“, stammelt die eine. „Damit kommen Sie niemals durch den thailändischen Zoll“, teilt mir die andere mit. Sie könnten mich zwar losschicken, aber dann müsste ihre Airline den Rückflug, in den ich dann mit Sicherheit gesetzt würde, bezahlen. Ich müsse zum Konsulat und eine Einreisegenehmigung besorgen.Ich bin erschüttert, gleichzeitig enttäuscht. Ich habe mich doch mehr auf die Rückkehr gefreut, als ich zugeben wollte. Und jetzt muss ich länger bleiben.

Auf einmal will ich nur noch raus hier. Komisch, jetzt wo ich nicht darf, will ich weg. Fast muss ich lachen, als ich im Bus sitze, der zurück zum Hostel fährt. Schon bezeichnend, dass die letzte Sache die ich in Australien noch machen sollte, nämlich einchecken in die Heimat, schiefgeht. Zu meinem großen Glück hat mir die Airline wenigstens ermöglicht, den Flug kostenlos umzubuchen, also verliere ich wenigstens nicht all mein Geld. Trotzdem verlängert sich mein Aufenthalt jetzt auf unbestimmte Zeit. So lange eben, wie es dauern wird eine Einreisegenehmigung für Deutschland zu bekommen und meine Tickets last Minute in einen Direktflug nach Hause umzubuchen. Australien lässt mich nicht gehen.

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