Werbinich : Zentralabitur und was sonst so läuft

Susanne Vieth-Entus

Eine spannende Woche liegt vor und hinter den Berliner Schulen. Das erste Zentralabitur ist jetzt angelaufen, bis Freitag noch wird die Frage aktuell sein, ob es gelingt, alle Themen bis zum Schluss geheim zu halten und grobe Schnitzer bei den Aufgabenstellungen zu vermeiden.

Zusätzlich – wie das in Berlin nun mal so ist – kochen zurzeit noch ein paar andere Bildungssüppchen. Das eine ist der erneut entbrannte Streit um die besten Grundschulplätze: Wie jedes Jahr gibt es einen leidenschaftlichen Kampf von Eltern für ihre Traumschulen, die ihnen Politik und Verwaltung nicht geben wollen oder können. Schon ist absehbar, dass etliche Streitigkeiten wieder vor Gericht oder mit der Flucht in andere Bezirke oder in Privatschulen enden werden. Von freier Schulwahl ist Berlin eben meilenweit entfernt.

Nicht weniger spannend als dieser Streit ist die anhaltende Debatte über die künftige Schulstruktur. Wie spannend, konnte man letzte Woche wieder sehen: Ein richtig gut besetzter Saal kam zusammen, als die Grünen zu einer Diskussion über „Schulqualität und Schulstruktur“ geladen hatten. Das Podium blieb nichts schuldig: Der HU-Bildungshistoriker Elmar Tenorth erläuterte, welche Rolle das Gymnasium in der deutschen Geschichte gespielt hat und warum es deshalb wohl nie abgeschafft wird – worauf ihm niemand widersprach. Ebenso einhellig waren die Forderungen nach der Abschaffung der Hauptschulen, die doch nur zu „Stigmatisierung“ (der Grüne Özcan Mutlu) und zur „Ballung der Hoffnungslosigkeit“ (die Potsdamer Unterrichtsforscherin Marianne Horstkemper) führen. Nur Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) blieb bei so viel Leidenschaft kühl: Das Problem der Null-Bock-Schüler sei nicht beseitigt, wenn man die Hauptschulen abschaffe, lautete seine lapidare Antwort.

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