Werbinich : Zum Ersten, zum Zweiten und…

Susanne Vieth-Entus

Bei Ebay gibt es bekanntlich nichts, was es nicht gibt. Und nun auch dies: die begehrten Lösungen für die Vergleichsarbeiten der Zehntklässler in Mathematik. Vorab, versteht sich. Da kommt Freude auf. Bei den Schülern. Natürlich spricht sich so was rum. Am vergangenen Dienstag war Klausurtermin, am Tag zuvor muss es die Runde gemacht haben.

Man kann sich gut ausmalen, was da los war in einigen Schülerhirnen: Wie sie überlegen, was ihnen eine gute oder gar sehr gute Note Wert wäre. Wie sie abwägen, welchen Mitschüler sie davon wissen lassen. Wie sie abchecken, welche Strafe ihnen blühen könnte, wenn jemand dahinter käme. Soll man den großen Bruder ins Vertrauen ziehen oder lieber nicht? Soll man pro forma ein paar Fehler einbauen, damit der Mathelehrer nichts merkt?

Langsam sickert der Skandal durch. Schon überlegt eine Schule, ob sie Anzeige gegen Unbekannt erstatten soll. Eltern empören sich über die ungleichen Chancen für ihre Kinder, die nicht so „schlau“ waren, Ebay anzuzapfen. Die Unruhe hält sich noch über die Himmelfahrtspause und den schulfreien Freitag, an dem sich nichts so richtig klären lässt.

Gestern dann waren plötzlich alle Fragen beantwortet. „Bei Ebay wurden gar nicht die Berliner Lösungen angeboten, sondern irgendwelche aus Nordrhein-Westfalen“, heißt es in der Schulverwaltung. Auch die Schule, die angeblich Anzeige erstatten wollte, hat längst erfahren, dass alles falscher Alarm war.

Nun aber stellen sich neue Fragen: Haben die Schüler rechtzeitig gemerkt, dass die Mathelösungen gar nicht aus Berlin, sondern aus Nordrhein-Westfalen stammten? Hat überhaupt jemand Geld bei Ebay verdient oder war gar alles nur ein verspäteter Aprilscherz? Vielleicht verraten wir Ihnen nächste Woche die Antwort auf alle diese Fragen. Mal sehen. Aber heute steht ja erstmal die nächste Vergleichsarbeit an – in Deutsch.

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