Wetter : „Axel“ stürmt über Deutschland hinweg

Wegen einer ungewöhnlichen Wetterlage droht an der Ostsee eine Sturmflut. In der Nacht sackten die Strompreise ins Negative. In den Bergen schneit es. Und es wird sehr kalt.

von
Kälte, Schnee und Sturm: Ein Lotsenschiff vor dem Hafen von Wismar bei hoher See. Foto: Jens Büttner/dpa
Kälte, Schnee und Sturm: Ein Lotsenschiff vor dem Hafen von Wismar bei hoher See.Foto: Jens Büttner/dpa

Von der Ostsee bis an den Alpenrand: Das Sturmtief „Axel“ ist über ganz Deutschland gezogen – mit unterschiedlichen Folgen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor extremem Wetter im Süden, Südosten, Norden und der Mitte Deutschlands. An der Ostsee wurde für die Nacht zum Donnerstag eine Sturmflut erwartet. Am Alpenrand sollen die Temperaturen zweistellig unter null fallen. Bis zu minus 20 Grad sind möglich.

Sturm

Auf dem Brocken im Harz wurden in der Nacht zum Mittwoch Spitzenwindgeschwindigkeiten von 123 Kilometern in der Stunde erreicht. Die Harzer Schmalspurbahn stellte deshalb am Mittwoch den Betrieb ein. Auf dem Fichtelberg im Erzgebirge wurden Böen von 114 Stundenkilometern gemessen. Auf Spiekeroog wehte der Wind mit einer Geschwindigkeit von 112 Kilometern in der Stunde, auf der Hallig Hooge waren es 107 Kilometer. Der Wind schwächte sich im Verlauf des Tages ab. Mehrere Bahnlinien in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und im Norden Bayerns waren am Mittwoch zeitweilig unterbrochen, weil Bäume auf Schienen gestürzt waren oder Oberleitungen abgerissen wurden.

In Baden-Württemberg und Bayern haben sich bei Glätte und Schneetreiben viele Unfälle ereignet. Foto: Thomas Pöppel/dpa
In Baden-Württemberg und Bayern haben sich bei Glätte und Schneetreiben viele Unfälle ereignet.Foto: Thomas Pöppel/dpa

Etwa drei Stunden lang sanken die Strompreise zwischen ein Uhr und vier Uhr morgens ins Negative, weil viel Windstrom in die Netze drückte und die Leistung der Kohle- und Atomkraftwerke zwar sank, aber auf hohem Niveau blieb. Im Nordosten im Netzgebiet des Betreibers 50 Hertz war der Höchststand der Windleistung zwischen 8.45 und 9 Uhr morgens erreicht. Mit einer Windleistung von 14 093 Megawatt im Netz erlebte 50 Hertz einen neuen Windrekord in seinem Netz. „Wir schaffen es, unser Übertragungsnetz auch bei solchen Wetterextremen wie Tief ,Axel‘ sicher zu fahren“, sagte der zuständige Geschäftsführer Dirk Biermann zufrieden. Bis zu 1500 Megawatt Windleistung sind zwischenzeitlich abgeregelt worden, viel von dem Windstrom ist über Thüringen nach Bayern geleitet worden, teilte 50 Hertz mit.

Flut

Am Vormittag brachte das Sturmtief „Axel“ an der Nordseeküste eine Sturmflut von etwa 1,50 Metern. In Hamburg waren es nach Auskunft des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrologie (BSH) sogar zwei Meter.

An der deutschen Ostseeküste erwartet das BSH für die Nacht zum Donnerstag eine Sturmflut mit Werten von etwa 1,50 Metern über dem normalen Wasserstand. Sturmfluten sind an der Ostsee sehr selten. Jochen Lamp vom WWF-Ostseebüro in Stralsund erinnert sich an zwei solcher Ereignisse: 1995 und 2006. An der Ostsee drückt der Wind das Wasser in Richtung Finnland, von dort schwappt es dann wieder zurück. Dieser „Badewannen-Effekt“ kann sogar dazu führen, dass es bei Windstille zu einem Hochwasser kommt. Dieses Mal ist das allerdings nicht der Fall. Aktuell ist die Ostsee „ziemlich gut gefüllt“, sagt Michael Naumann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Nachdem der Wind Ostseewasser im Oktober in die Nordsee gedrückt hatte und der Wasserspiegel gesunken war, haben mehrere Windereignisse seither wieder Wasser aus der Nordsee in die Ostsee gedrückt. Der Wasserspiegel liege 20 Zentimeter oberhalb des normalen Wasserstands. Dazu kommt nun ein Sturmtief mit starkem Südwestwind. Der hat die Welle auflaufen lassen. Doch nun dreht der Wind von Nord auf Nordost. Das kommt nahezu nie vor, das zeigen die Auswertungen der Windmessungen an der Messstation Arkona im Norden der Insel Rügen.

Normalerweise schwächen sich die Tiefdruckgebiete über Skandinavien ab. Aber dieses Mal hat der Wind weiter Sturmstärke. Deshalb liegen auf der vor Wismar gelegenen Ostseeinsel Poel 30 000 Sandsäcke bereit. Diese würden befüllt, wenn sich Gefahren abzeichnen sollten, sagte Bürgermeisterin Gabriele Richter. Der höchste Wasserstand wurde kurz nach Mitternacht erwartet. Wismar und Greifswald sind deshalb besonders hochwassergefährdet, weil das Wasser in den zwei Buchten, in denen die Städte liegen, flach ist und der Wind nun die Wassermassen weiter gegen die Küste drückt. In Warnemünde haben die Ostseeforscher jedenfalls viel zu tun. Denn eine so ungewöhnliche Wetterlage ermöglicht ihnen, viele ihrer Theorien an der Praxis zu erproben. Wie die Sümpfe an der Küste sich mit Wasser füllen, gehört zu den Fragen, die einige Forscher sich dort stellen.

Kälte

Am Mittwoch war es noch relativ mild. Das soll sich rasch ändern. In der Nacht zum Donnerstag wurde klirrender Frost erwartet. Am Freitag sei in ganz Deutschland tagsüber „gemäßigter Frost“ bis minus sieben Grad zu erwarten, heißt es beim Deutschen Wetterdienst.

Im Sauerland freuten sich viele darüber, endlich einmal wieder Schlitten fahren zu könnten. Foto: Oliver Berg/dpa
Im Sauerland freuten sich viele darüber, endlich einmal wieder Schlitten fahren zu könnten.Foto: Oliver Berg/dpa

Richtig kalt soll es in Bayern und den östlichen Gebirgen werden. In der Nacht zum Freitag könnten die Temperaturen im Bergland Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts auf minus 20 Grad fallen. In Bayern könnten die Temperaturen dann in der Nacht zum Samstag so weit sinken.

Schnee

Vor allem im Osten und Süden Deutschlands kann es auch am Donnerstag tagsüber bei kräftigen Schnee- und Graupelschauern zu Wintergewittern kommen. In Bayern haben sich bei Schnee und Wind zahlreiche Autounfälle ereignet. Auch im Gebirge wird durch die arktische Luft vom Nordmeer mehr Schnee erwartet. In Nordwestlagen der Mittelgebirge könnten bis zu 30 Zentimeter Schnee fallen, sonst zwischen zehn und 20 Zentimeter. Die Schneefallgrenze lag am Mittwoch bei 400 Metern. mit dpa

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar