Wetter : Was ist mit dem Sommer los?

14.08.2011 09:38 Uhrvon , , Cay Dobberke, Marc Etzold
Von oben kam’s oft nass. Besucher des Karlsruher Open-Air-Festivals im Juli. Foto: dpa
Von oben kam’s oft nass. Besucher des Karlsruher Open-Air-Festivals im Juli. - Foto: dpa

Wer Glück hat, bekommt für einen kurzen Moment etwas Sonne ab. Ansonsten kennt der Sommer in diesem Jahr vor allem eines: Regen, Regen, Regen. Warum nur?

Auch in diesem Sommer wurden wieder Millionen Urlaubskarten und -SMS verschickt. Aber der Standardspruch „Hier ist es schön, und das Wetter ist toll!“ dürfte dieses Jahr nicht immer der Wahrheit entsprochen haben. Viele Ferienheimkehrer werden sich zum Schulstart wohl eher mit der Frage begrüßen: „War es bei euch auch so nass und kalt?“

Wieso hat es so viel geregnet?

In Deutschland und einigen Nachbarländern wie Dänemark und Polen gab es tatsächlich viel Regen, und besonders der Sommermonat Juli war vielerorts kälter als gewöhnlich. „Das liegt daran, dass die Tiefdruckgebiete oftmals an derselben Stelle festgehangen haben und dort zu ergiebigen Niederschlägen führten“, sagt Gerhard Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Ursache für die „Tiefdruck- Fallen“ sind besonders stabile Bedingungen in der Atmosphäre. Sie schreiben den Schlechtwetterfronten einen bestimmten Weg vor und halten sie manchmal tagelang am selben Ort fest.

Vor allem an der Ostseeküste gab es darum reichlich Regen. Spitzenreiter war Rostock, wo im Juli fast 344 Liter pro Quadratmeter herunterkamen. Für Statistiker: Das sind 482 Prozent des langjährigen Juli-Mittels. Für Smalltalker: Das ist der Juli-Niederschlags-Rekord für diese Station, an der seit 1946 Daten erhoben werden. Auch andere Stationen im Nordosten registrierten im Juli und den ersten Augusttagen ein Vielfaches der üblichen Werte. In der Region Berlin-Brandenburg wurde immerhin noch anderthalb mal so viel Regen gemessen wie sonst in dieser Zeit, berichtet Ines Kappler von der DWD-Zweigstelle in Potsdam.

Außerordentlich kalt war es übrigens nicht. Die Daten der rund 2000 Messpunkte aus ganz Deutschland zeigen: Der Juni war sehr warm, der Juli kalt, der August bislang im Trend der letzten Jahre. „Alles ganz normal, normaler geht’s kaum“, sagt der DWD-Experte. Wer einen Rekordsommer sucht, muss ins Ausland schauen, in die USA zum Beispiel. Dort gab es eine wahre Hitzewelle, die den Juli zum viertwärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts machte. In einzelnen Staaten des Südens, etwa in Kansas, Louisiana, Mississippi und Texas, belegte der Juli 2011 nicht nur Platz vier, sondern stellte einen Rekord auf, berichtet die Wetterbehörde NOAA.

War der nasse Sommer vorherzusehen?

„Nein“, sagt Müller-Westermeier vom DWD. Eine Wettervorhersage sei bis zu zehn Tage im Voraus möglich, alles was darüber hinaus geht, sei sehr unsicher. Allerdings entspreche das Wetter dieses Sommers nicht dem, was Klimaexperten als generelle Entwicklung erwarten, fügt er hinzu. Hierzulande rechnen sie im Durchschnitt mit steigenden Temperaturen, mehr Niederschlägen im Winter und trockeneren Sommern. „Der Temperaturanstieg ist messbar, auch die häufigeren Niederschläge im Winter.“ Die trockeneren Sommer seien in der Statistik noch nicht klar zu erkennen. Der Regen der vergangenen Wochen ist aus seiner Sicht trotzdem kein Gegenargument zu den Prognosen der Klimaforscher. „Mit Daten eines einzelnen Jahres kann man weder etwas beweisen noch etwas widerlegen“, sagt Kappler.

Ob es wenigstens ein schöner Frühherbst wird, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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