Wetter : Weihnachten mit Sturm, Stromausfall und Wärmerekorden

In Großbritannien und Frankreich waren Hunderttausende an Weihnachten ohne Strom, mindestens sieben Menschen kamen im Orkantief "Dirk" ums Leben. In anderen Teilen Europas wurden hingegen Wärmerekorde gemessen.

In Chateaulin, im Westen Frankreichs, ist der Fluss Aulne wegen des Sturms "Dirk" über die Ufer getreten. In Frankreich verbrachten Hunderttausende den Heiligabend ohne Strom.
In Chateaulin, im Westen Frankreichs, ist der Fluss Aulne wegen des Sturms "Dirk" über die Ufer getreten. In Frankreich...Foto: AFP

Mediterrane Wärme und heftige Stürme haben über Weihnachten das Wetter in weiten Teilen Europas bestimmt. Milde Mittelmeerluft trieb in Deutschland an Heiligabend an etwa der Hälfte aller Wetterstationen die Tagesmittelwerte auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch berichtete. Am wärmsten war es in Baden-Baden mit frühlingshaften 17,5 Grad. Auch in Polen und Moskau wurden Höchstwerte gemessen.

Verantwortlich für die Wetterextreme war das Orkantief „Dirk“. In Großbritannien, Frankreich, Spanien oder Polen verursachten Sturm und Regen seit Sonntag Stromausfälle und Verkehrsbehinderungen. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, fünf davon in Großbritannien. Europaweit waren Hunderttausende Haushalte ohne Strom: ohne Licht, Heizung oder Herd.

Plus zehn Grad binnen einer Stunde - und das an Weihnachten

Auf der Südwestseite des Orkantiefs wurde laut DWD die etwa 16 Grad warme westliche Mittelmeerluft so schnell nach Deutschland geweht, dass sie keine Zeit mehr hatte abzukühlen. Im Südosten gab es Temperatursprünge von mehr als 10 Grad binnen einer Stunde. Und nass war es auch: Im Münsterland fielen binnen 24 Stunden rund 37 Liter Regen pro Quadratmeter, im Hunsrück 35 Liter.

An der Südküste Großbritanniens mussten am Mittwoch 90 Menschen ihre Wohnungen verlassen, nachdem vor Sturmfluten gewarnt worden war. Für die Betroffenen habe Lebensgefahr bestanden, teilte die Umweltschutzbehörde mit. 75 000 Menschen waren nach Angaben der Stromversorger noch ohne Elektrizität. Auf den Straßen hatte sich der Verkehr am Mittwoch normalisiert. An Londons zweitgrößtem Flughafen Gatwick hatte es am Dienstag erhebliche Behinderungen gegeben.

In Großbritannien und Frankreich blieben Hunderttausende an Weihnachten ohne Strom

Auch in Frankreich brach in Teilen des Landes die Stromversorgung zusammen. Hunderttausende Menschen waren betroffen. Am Montag kam auf einer Baustelle im nordwestlichen Calvados ein zwölf Jahre altes Kind ums Leben, als eine Mauer einbrach. Bei der Staatsanwaltschaft in Caen hieß es, der Unfall könne mit dem Sturm zusammenhängen.

Nordwestlich von Brest wurde ein russischer Seemann bei bis zu sieben Meter hohen Wellen von Bord des niederländischen Frachters „Victoriaborg“ gespült. Die Suche nach dem Mann wurde am Dienstag eingestellt.

In der Region Galicien in Spanien hatte am Dienstag ein Unwetter mit Stürmen und starken Regengüssen getobt. Das Sturmtief breitete sich am Mittwoch fast über die gesamte Iberische Halbinsel aus. Dabei flauten die Stürme allerdings ab.

In der Schweiz fegte Heiligabend und am ersten Weihnachtstag ein Föhnsturm durch die Alpentäler, der für frühlingshafte Temperaturen sorgte. In den Bergen erreichten Windböen Geschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometer. Mehrere Bergbahnen mussten den Betrieb einstellen. Auch in Teilen Österreichs tobte sich der Föhnsturm aus.

Sturmschäden wurden auch aus Polen und Tschechien gemeldet. Zugleich erreichten die Temperaturen im Südosten Tschechiens Rekordwerte für diese Jahreszeit mit bis zu 13,2 Grad Celsius in Bohumin, berichtete die Nachrichtenagentur CTK. Die russische Hauptstadt Moskau erlebte am Mittwoch mit 3,5 Grad Celsius den wärmsten Dezembertag seit mehr als 100 Jahren, so der Wetterdienst.

In Thailand froren die Menschen bei 20 Grad

Dagegen gab es in Teilen von Thailand eine Kältewelle. Aus dem bergigen Nationalpark Phu Hin Rong Kla an der Grenze zu Laos wurde am Dienstag sogar Frost gemeldet. In der Provinz Nakhon Ratchasima im Osten war es nur 14 Grad warm. Dort richteten die Behörden Zufluchtsorte zum Aufwärmen ein, berichtete die Zeitung „Nation“. In der Hauptstadt Bangkok waren Einheimische bei 20 Grad teils mit Winterjacken unterwegs. Sie sind Temperaturen von mehr als 30 Grad gewohnt.

Das wechselhafte, milde Wetter in Deutschland bleibt. „Daran wird sich bis Neujahr nichts ändern“, sagte DWD-Meteorologe Christoph Hartmann der Nachrichtenagentur dpa. Lediglich am Freitag bringt die Sonne etwas Abwechslung, der Samstag wird wieder sehr regnerisch. Tagsüber klettern die Temperaturen in Deutschland auf fünf bis zehn Grad, nachts kann es bei Aufklaren örtlich Frost geben. Die Schneefallgrenze liegt bei rund 1000 Metern. (dpa)

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