Welt : Wetterchaos: Spielt der Sommer verrückt?

In Südeuropa sehnen sich die hitzegeplagten deutschen Urlauber nach einem kühlen Lüftchen, in Griechenland sind die Waldbrände außer Kontrolle geraten und in Deutschland bleibt es herbstlich: Wolken, Schauer und kühle Temperaturen bestimmen das Wetter bis Sonntag, sagen die Meteorologen von Meteofax/Meteomedia und vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Verantwortlich dafür ist Nordseetief "Wisia": In den kommenden Tagen zieht es nach Skandinavien und bringt weiterhin feuchte und kühle Luft nach Deutschland. Die Temperaturen liegen fast überall unter 20 Grad, erst am Sonntag könne es wieder etwas wärmer werden, heißt es in Offenbach.

Vor allem im Nordwesten und Westen kommt es am Dienstag häufig zu Schauern, vereinzelt gebe es auch kurze Gewitter. Auch in Bayern und Sachsen fällt häufig Regen, die Sonne kann sich hier gelegentlich aber durch die Wolkendecke kämpfen, wie der Wetterdienst Meteofax/Meteomedia berichtete. Ferienkinder sollten ihre Drachen aus dem Keller holen: Der Wind weht frisch aus dem Westen, in Böen auch bis stürmisch. Die Höchsttemperaturen liegen am Dienstag zwischen 14 Grad an der Donau und 22 Grad in Brandenburg. Am Alpenrand werden es nur elf Grad, die Schneefallgrenze sinkt um rund 200 Meter auf etwas mehr als 1800 Meter.

Auch die nächsten Tage bringen anstatt Sonne und Freibadwetter graue Wolken und niedrige Temperaturen. Immer wieder gibt es Schauer und vereinzelt kurze Gewitter. Erst vom Sonntag versprechen sich die Wetterforscher eine leichte Besserung, die erwarteten Temperaturen von maximal 21 Grad sind aber auch wenig sommerlich.

Das trübe Wetter der vergangenen Wochen sei für den Juli gar nicht so ungewöhnlich, erklärte Meteorologe Stefan Külzer. Häufig habe sich der europäische Kontinent in dieser Zeit stärker aufgeheizt als das Meer, so dass es überwiegend tiefen Luftdruck gebe. Die Folge: Feuchte Luftmassen ziehen vom Atlantik über Mitteleuropa. Erst wenn sich das Meer stärker erwärmt habe, könnten sich Hochdruckgebiete etablieren. Damit sei aber erst im August zu rechnen.

Die Waldbrände in Südeuropa haben zu Wochenbeginn weiter gewütet. Während in Griechenland starke Winde am Montagmorgen die Feuer immer wieder neu entfachten, waren in Italien und Südfrankreich die meisten Brände unter Kontrolle. Die Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Südosteuropa legte indessen am Montag eine Pause ein. Die Temperaturen sanken auf Werte deutlich unter 40 Grad.

Von den griechischen Inseln war Samos am schlimmsten von den Feuern betroffen. Zwar hatten starke Winde die Temperaturen am Wochenende etwas gedrückt, die Löscharbeiten jedoch erheblich behindert. Am Montagmorgen erreichte die Feuersbrunst den Norden der Insel. Einige Hotels wurden aus Sicherheitsgründen evakuiert. Touristen seien jedoch nicht in Gefahr, hieß es in der Regierung.

In Italien mehrten sich die Vorwürfe, dass zahlreiche der Waldbrände absichtlich gelegt wurden - möglicherweise, um Bauland zu gewinnen. 70 Prozent der Brände loderten auf Privatland, hieß es. In Südfrankreich konnten die beiden großen Brände, die am Wochenende wüteten, bis Montag eingedämmt werden.

Für Sonnenhungrige ist die Türkei ein ideales Urlaubsziel - doch dieses Jahr ist es selbst den glühendsten Sonnenverehrern zu heiß. Seit Tagen liegen die Temperaturen an der Südküste jenseits der 40 Grad. In der Sonne wurden sogar bis zu 56 Grad gemessen. "Wir braten hier ganz schön", sagt eine in Antalya lebende Deutsche. Auch der Sprung ins Meer bringt kaum Abkühlung: Die Wassertemperatur bei Antalya liegt bei 29 Grad, das Wasser in Pools ist meist noch wärmer. Auch in Izmir an der türkischen Ägäisküste, in der Hauptstadt Ankara, im Südosten und in der Millionen-Metropole Istanbul stöhnen die Menschen. "Es ist eine Katastrophe", sagte ein junger Istanbuler, "es ist so heiß".

Die Hitze scheint die Urlauber nicht abzuschrecken. Angesichts des kühlen Regenwetters in Deutschland registrierten viele Veranstalter eine weiterhin rege Nachfrage nach Reisen in den Südosten Europas.

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